Grinding-Games: Wie bleiben sie spannend

21.5.2018

Wenn du dir ein MMO-Forum, die Kommentare zu YouTube-Videos oder einen Gaming-Bereich in Reddit anschaust, wirst du sehen, dass viele Leute sich über die Idee des Grindens in Videospielen beschweren oder sie verteidigen.

Der Begriff „Grinden“ ist damit definiert, wiederholte Aufgaben durchzuführen, um sich Spielvorteile zu verschaffen. Kurz gesagt: Beim Grinden geht es darum, eine Handlung wiederholt durchzuführen, um die Werte deines Charakters zu steigern und ihn zu stärken.

Einige Spieler nennen das auch „Treadmilling“ (auf dem Laufband gehen) oder auch als „pushing the bar“ (Gewichtheben), aufgrund der Ähnlichkeiten mit Routinesport im Fitnessstudio. Man geht ins Fitnessstudio, rennt auf dem Laufband, hebt ein paar Gewichte, und wiederholt genau das immer wieder.

In MMO Games können diese wiederholten Handlungen das Abbauen von Ressourcen oder der Kampf gegen Gegner mit niedrigem Level sein. Immer wiederholen.

Kommt dir das bekannt vor? Das liegt daran, dass die meisten Spiele inzwischen einen großen Anteil Grinding enthalten. Aber ist es wirklich so schlecht, für Ergebnisse arbeiten zu müssen?

Grind-Spiele gibt es seit Jahren

Interessanterweise ist Grinding in Videospielen keine neue Erfindung. Obwohl wir es meist vor allem mit modernen MMORPGs in Verbindung bringen unterscheidet es sich kaum vom Üben in Super Mario Brothers auf dem NES, um über die Sommerferien gut genug zu werden, um das besonders schwierige Level zu schlagen.

Auch wenn du dabei nicht wie in einem MMO auf ein höheres Level gelangst, wiederholst du dennoch stetig die gleiche Sache, bis du gut genug bist, um weiter zu kommen. Das „Hochleveln“ ist dabei einfach durch deine körperliche Fähigkeiten statt durch eine Ziffer in den Werten des Charakters zu erkennen.

Wir grinden schon seit Jahren, ohne uns dessen bewusst zu sein, und meistens ist es eine Mischung aus Spaß und Frustration. Frustration ist auch nicht zwingend etwas schlechtes, denn ohne jegliche Probleme durch ein Spiel zu kommen, weil es zu einfach ist, ist für Spieler noch schlimmer als ein Spiel, das beinahe zu schwer ist. Ein Beispiel wäre Bloodborne, oder der vor kurzem veröffentlichte Platformer Celeste. Beide Spiele sind bekannt für ihren Schwierigkeitsgrad, aber ihre Fans lieben genau diese Herausforderung.

Schließlich hat es auch mit Stolz zu tun, etwas sehr Schwieriges zu meistern.

Multiplayer Games sind die besten Grinding Games

Bei MMORPGs basiert die Charakterentwicklung stark auf Grinding. Generell funktioniert das ziemlich gut.

Spiele, bei denen Charakterwerte im Vordergrund stehen, eigenen sich von Natur aus besser fürs Grinden als solche, bei denen Werte zweitrangig sind. Der soziale Aspekt von Multiplayer-Spielern ermöglicht zudem längerfristiges Grinden, ohne dass Langeweile aufkommt. Wenn man im Team arbeitet, wie zum Beispiel bei WoW und The Elder Scrolls Online, wird Grinden zu einer Art unterhaltsamer Arbeit. Man fühlt sich dazu verpflichtet, seinen Beitrag zu leisten und empfindet das nicht als Belastung, weil die ganze Sache im Team Spaß macht.

In dieser Hinsicht hat sich Grinden zu einem erfolgreichen Spielmechanismus entwickelt, wo es eigentlich nicht hingehört. Schließlich sollte es doch keinen Spaß machen, etwas ständig zu wiederholen, um seine Werte zu verbessern, oder? Aber bei Multiplayer-Games, besonders bei RPGs, scheint es einen besonderen Reiz zu haben, der bei den meisten Single Player Games fehlt.

Um ein tolles Grinding-Spiel zu entwickeln, dürfen sich Entwickler aber nicht nur darauf verlassen, dass Spieler einander unterhalten, während sie dumpf ihre Spielaufgaben abarbeiten. Ein gutes Spiel muss die Spieler neben der Grinding-Routine auch mit einer guten Spielstory locken.

Wenn es einem Spiel gelingt, das Grinden gekonnt zu verstecken, oder zumindest die Grenzen zwischen Grind und Story verschwimmen zu lassen, befindet es sich bereits auf dem Weg zum Erfolg. Wenn es schief läuft durchschauen die Spieler diese spielverlängernden Techniken allerdings sofort.

Was ist als der Schlüssel für die Entwicklung guter Grind-Spiele und Grind RPGs?

Grinden in der richtigen Dosierung

Um ein Grind-Spiel unterhaltsam zu machen, ist das richtige Gleichgewicht wichtig.

Zu viel Mühe und zu wenig Belohnung ist ein Rezept für Langeweile und Frustration. Und zu viel Belohnung und zu wenig Arbeit kann zu einem Spiel mit zu wenig Tiefgang führen.

Das MMORPG Ragnarok Online legt bereits von Anfang an im Spiel großen Wert aufs Grinden. Untypischerweise für ein RPG tendiert Ragnarok dazu, mehr Gewicht aufs Grinden und weniger auf Elemente der Spielstory zu legen. Das bedeutet nicht, dass es keine Story gibt, aber sie verschwimmt etwas im Hintergrund, wenn man beginnt, auf der Karte nach verschiedenen Regionen mit Feinden zu suchen, die es zu schlagen gilt.

Da die Feinde nur seltsam nützliche Beute abwerfen, werden Momente, in denen man die Überbleibsel eines gefallenen Gegners nach etwas Brauchbaren durchsucht, wesentlich befriedigender. Ragnarok Online überschüttet Spieler nicht mit Belohnungen und macht es ihnen nicht leicht.

Spielentwickler müssen das richtige Gleichgewicht finden, insbesondere da einige Spielserien heute mehr als ein halbes Jahrzehnt bestehen müssen. Ein Ausrutscher zu weit in eine Richtung kann zu einem Spielerlebnis führen, dass das Spiel uninteressant macht und daher nicht genug Geld einspielt.

Aus diesem Grund hat sich in der Welt der Grinding Spiele in den letzten Jahren wahrscheinlich nur wenig getan. Warum sollte man schließlich etwas ändern, wenn es so, wie es ist, gut funktioniert?

Abwechslung ist die Würze des Lebens und Gamings

Es wird ziemlich schnell langweilig, immer den gleichen Button zu drücken, um mit der Axt auf einen Felsen einzudreschen und dafür ein paar Ziffern mehr auf einer Werteübersicht zu erhalten. Indem man die Ergebnisse der Abbauarbeit aufmischt, kann man den Spieler allerdings wenigstens dazu bringen, sich auf die Aufgabe zu konzentrieren.

Zwei ausgezeichnete Beispiele dafür, wie Grinding gut funktionieren kann, sind Stardew Valley und Ragnarok Online.

Für alle, die die letzten Jahre unter einem Fels verbracht haben: Stardew Valley ist ein bahnbrechender Indie-Titel, der die Welt im Jahr 2016 im Sturm eroberte. In diesem Spiel bist du der einzige Erbe des Bauernhofs deines Großvaters und verlässt dein Leben in der Stadt für das Landleben, mit allem was dazu gehört: Arbeit auf dem Bauernhof, im Bergbau und natürlich das Pflegen von Kontakten mit den Bewohnern der Region.

Während des Leben in der Stadt stark auf der Spielgeschichte basiert, sind die Arbeit auf dem Bauernhof und der Abbau von Ressourcen im Spiel sehr grind-lastig. Stardew Valley gelingt es dabei, nicht langweilig zu werden, da das Grinden selbst eine Menge Abwechslung bietet. Bei der Arbeit auf dem Bauernhof musst du regelmäßig deine Pflanzen gießen, aber wie du das anstellst, ist dir allein überlassen. Du kannst entscheiden, wie der Bauernhof aussieht, welche Sorten zu anbaust und in welchem Muster. Natürlich wiederholen sich einige Handlungen dabei, aber es fühlt sich immer so an, als sei es deine Entscheidung und nur selten wie eine Routinearbeit.

Das Gleiche gilt für den Bergbau-Teil des Spiels. Du entscheidest, wo du abbaust und hast eine Wahl zwischen verschiedenen Felsen und Erzen.

Das Schlüssel zum Erfolg von Stardew und Ragnarok liegt in der Mischung aus harter Arbeit und Belohnungen sowie ausreichend Abwechslung, um die Sache interessant zu halten. Wie zuvor erwähnt ist es schwierig, hier das richtige Gleichgewicht zu finden, aber diese beiden Spiele sind perfekte Beispiele für ausgeglichenes Grinden.

Außerdem bieten sie beide einen Faktor, von dem alle grindbasierten Spiele profitieren könnten, nämlich einen kleinen Ausblick auf die Zukunft.

Auf ein Ziel hinarbeiten

Nein, sie geben dir keine Glaskugel in die Hand und verraten dir auch nicht die Lottozahlen, aber sie bieten dir einen kleinen Ausblick auf die Zukunft. Die Zukunft des Spiels jedenfalls.

Grinden lohnt sich eigentlich nur, wenn du eine Idee hast, zu welchen Ergebnissen es führen kann. Niemand hat Lust auf harte Arbeit ohne ein Licht am Ende des Tunnels, oder eine Belohnung, welche die Mühe nicht wert ist. Aber wenn du weißt, was dich auf der anderen Seite erwartet, kann es sich lohnen.

Stardew Valley gelingt das auf fantastische Weise, indem deinem Charakter Hindernisse in den Weg gestellt werden: Bestimmte Teile der Karte sind gesperrt, aber bieten dir einen kleinen Einblick darauf, was du erwarten kannst, wenn du dir das nötige Werkzeug besorgt hast.

Diese „Karotte am Stiel“-Prinzip ist ein Schlüsselfaktor für jedes Spiel, das Spieler dazu bringen will, Stunde um Stunde mit dem Spiel zu verbringen und immer wieder zurück zu kommen. Ob es sich bei dieser „Karotte“ um einen gesperrten Bereich oder eine Waffe handelt, die derzeit nicht bezahlbar ist, die Verlockung dessen, was einen auf der anderen Seite erwartet, muss stark genug sein, um den Spieler zu motivieren, weiter zu machen. Alle guten Grind-Spiele nutzen dieses Prinzip zu ihrem Vorteil.

Leider gibt es auch Spiele, die diese wichtige Info zum Grinden verpennt haben. Diese Spiele gehen endlos weiter, ohne das eine Belohnung oder ein Grund in Aussicht sind. Für Spiele, die vor zehn oder fünfzehn Jahren auf den Markt gebracht wurden, wäre das ein Todesurteil gewesen, aber heute, wo jedem mit Internetzugang ständige Updates zur Verfügung stehen, kann man solche Patzer in Spielen beheben.

Meisterhaftes Grinding in Videospielen

Alle, die Grinding hassen, sollten sich einmal vorstellen, wie die Spielwelt ohne aussehen würde. Ein Spiel mit wenig Herausforderungen und einem ständigen Strom von Belohnungen würde schnell langweilig werden. Jeder, der die Spielparodie PSTW (Press Space To Win) kennt, hat schon das leere Gefühl eines Spiels erfahren, das dem Spieler keinerlei Herausforderung bietet. Vielleicht fällt es dir schwer, zuzugeben, dass deine Eltern Recht hatten und das harte Arbeit wirklich ihre ganz eigene Belohnung ist.

Einige Spieler sprechen auch von einem „zen-ähnlichen“ Zustand, in den sie beim Grinden abtauchen. Das Gefühl, etwas erreicht zu haben, wenn sie ihre Stunden absolviert haben, erfüllt sie mit Stolz.

Um zum Anfang der Diskussion zurück zu kommen: Wenn Grinding in einem Spiel richtig eingesetzt wird, sollten wir es noch nicht einmal bemerken. Als Grundregel gilt also: Wenn Grinden abwechslungsreich gestaltet wird, hat man schon die halbe Miete für ein tolles Grind-Spiel.

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