Wer die Wikinger waren und was geschah: Eine kurze Geschichte

PLARIUM-TEAM
20.12.2018
10 Minuten Lesezeit

Gefürchtet, gnadenlos, edel, bösartig, geschickt, respektiert: Das sind nur einige Worte, mit denen die Wikinger beschrieben werden. Für einen Moment in der Geschichte der Menschheit dominierten diese mutigen Krieger alle bekannten Bereiche ihrer Welt

Doch wer waren die Wikinger? Woher kamen sie und was geschah schlussendlich mit ihnen?

In diesem Artikel sehen wir uns die Antworten auf diese Fragen und viele weitere an. Lass uns eintauchen in die Geschichte der Wikinger und ihrer Gesellschaft.

Woher kamen die Wikinger?

Die Angelsachsen sahen die Wikinger als Dänen, doch wie sich später herausstellt, war das nicht ganz korrekt. Die Wikinger waren eine bunt gemischter Haufen, die aus dem gesamten skandinavischen Raum kamen, einschließlich Norwegen, Schweden und auch Dänemark.

Das beantwortet wohl die Frage, woher die Wikinger kamen?! Doch wie du in diesem Artikel erfahren wirst, war es nicht so einfach: Diese Leute hielten sich nicht an die Grenzen Skandinaviens (die es damals ja auch gar nicht gab). Sie machten sich auf den Weg nach draußen, erkundeten, handelten und plünderten in großen Teilen Europas während des Zeitraums, den wir heute als das Zeitalter der Wikinger bezeichnen.

Das Zeitalter der Wikinger, so die heutige historische Definition, war zwischen den Jahren 700 und 1100. In dieser Zeit versetzen die Wikinger alle, die sich ihnen in den Weg stellten, in Angst und Schrecken. Sie plünderten entlang der Küsten und sorgten für Unruhe in ehemals friedlichen Regionen.

Wer waren die Wikinger?

In erster Linie waren die Wikinger Krieger aus dem skandinavischen Raum. Diese nordischen Krieger werden oft als Bösewichte oder Barbaren dargestellt, und das aus gutem Grund: Sie waren dafür bekannt, wehrlose Küstenstädte und Kloster in ganz Europa zu überfallen und zu plündern. Doch diese Beschreibung wird den Wikingern nicht zur Gänze gerecht.

Man kann die Frage, wer die Wikinger waren, ganz leicht mit einer Hollywood-Darstellung oder -Definition dieser Menschen beantworten, aber das wäre ignorant. Es gibt schließlich auch zahllose Beispiele dafür, dass sie ganz normale Menschen waren, die ihr normales Leben lebten.

Die Wikinger waren ein bunt gemischtes Volk, und ja, darunter gab es auch Krieger, aber ebenso geschickte Händler, Bauern, Seemänner und friedliche Siedler.

Der Begriff „Wikinger“ bedeutet Pirat oder Plünderer. Wahrscheinlich hätten viele Bewohner Skandinaviens während dieser Epoche sich nicht als Wikinger bezeichnet. Doch für die, die von ihnen geplündert wurden, waren sie als Wikinger bekannt. Denn dies war leider der einzige Aspekt ihrer Kultur, mit denen sie in Kontakt kamen, bevor sie überwältigt und getötet wurden.

Wikinger konnten sich jedoch nicht nur auf die Plünderung weit entfernter Orte verlassen, um für ihre Leute zu sorgen. Sie mussten Standorte besiedeln, das Land bestellen und Vieh züchten.

Andere wiederum legten lange Wege zurück, um mit ihren Waren zu handeln, so auch über Land durch Russland und sogar bis Konstantinopel, das heutige Istanbul in der Türkei. Andere wiederum reisten nach Bagdad im Irak – Beweis genug, dass die Wikinger es wirklich weit gebracht haben.

Welche Sprache sprachen die Wikinger?

Bei ihren Reisen durch die Welt waren die Wikinger dazu gezwungen, mit extrem unterschiedlichen Menschen zu kommunizieren, und das natürlich in den verschiedensten Sprachen. Doch in ihrer Heimat sprachen sie eine Sprache, die heute als „Altnordisch“ bezeichnet wird.

Altnordisch war eine Nordgermanische Sprache, die in ganz Skandinavien gesprochen wurde, einschließlich der Färöer-Inseln sowie in Island und Grönland. Auch in Teilen von Russland, Frankreich, den britischen Inseln und Irland gab es Regionen, in denen auf Altnordisch gesprochen wurde – kein Wunder, denn diese Regionen wurden in dieser Zeit stark von den Wikingern beeinflusst.

Es wurden zahlreiche alte Runen und Schnitzereien entdeckt, die belegen, dass Altnordisch an vielen Orten genutzt wurde. Diese Runenschrift ist als das jüngere Futhark oder skandinavische Runenschrift bekannt. Es handelt sich dabei um einen Runenalphabet mit 16 Zeichen, das während der Wikingerzeit vorrangig verwendet wurde. Mit dem abnehmenden Einfluss der Wikinger wurde auch diese Schrift immer weniger verwendet.

Womit handelten die Wikinger?

Wie bereits erwähnt waren die Wikinger in der Lage, große Distanzen zurückzulegen, über Wasser wie über Land. Sie gehörten damit zu den geschicktesten Seefahrern ihrer Zeit. Und genau das ist der Grund, warum sie über so viele andere, auf die sie trafen, dominieren konnten.Aber womit handelten sie auf ihren Reisen? Und was brachten sie mit sich?

Meist waren handelnde Wikinger auf der Suche nach Luxusgütern, wie Silber, Seide, Gewürzen, Wein, Schmuck, Glas und Keramik. All diese Dinge waren in der Heimat der Wikinger gefragt.

Um diese Waren zu erhalten, brachten Wikinger eigene Produkte zum Tausch mit sich, wie Honig, Zinn, Weizen, Wolle, Holz, Eisen, Pelze, Leder, Fisch und Walross-Elfenbein.

Leider gibt es auch eine finstere Seite der Wikinger-Geschichte: Sie waren auch im Menschenhandel mit Sklaven sehr aktiv.

Wikinger greifen in ganz Europa an

Auch wenn es stimmt, dass nicht alle Wikinger gnadenlose Plünderer waren, lässt sich nicht verleugnen, dass sie diesen Ruf nicht grundlos erhalten haben. Sie waren mordlustig und feierten ihre Erfolge und berichteten ihren Familien zuhause nach ihrer Rückkehr von ihren Beute- und Mordkampagnen.

Der erste offiziell aufgezeichnete Überfall fand um das Jahr 787 in England statt. Dies war der Beginn eines Konfliktes, der viele Jahrhunderte andauern würde.

Zuerst wurden die Wikinger bei ihrer Ankunft an den Küsten Großbritanniens naiv willkommen geheißen. Die örtliche Bevölkerung strömte unbewaffnet an den Strand, um sie zu begrüßen. Diesen Fehler würden sie schon bald bereuen, denn die Wikinger plünderten sich an der Küste entlang und scheuten dabei nicht, unschuldige und wehrlose Bewohner zu töten.

Ihre Wildheit und Brutalität verwirrte die britische Bevölkerung, vor allem die Tatsache, dass sich die Wikinger scheinbar nichts dabei dachten, heilige Orte wie die christlichen Kloster anzugreifen, die voller Gold, Silber, Vieh und vielen anderen Reichtümern waren.

Für viele war die bloße Idee undenkbar, doch für die Wikinger war es ein einfacher Sieg, über den sie gar nicht erst nachdenken mussten. Es bestand für sie kein moralischer Konflikt darin, diese Kloster zu plündern, denn sie waren ein heidnisches Volk, das die Religion in diesem Land nicht befolgte.

Im Laufe der Jahre schaukelten sich die Konflikte zwischen den Wikinger und den Angelsachsen hoch und wurden immer umfangreicher und brutaler.

Die große Wikinger-Invasion

Angesichts steigendem Widerstandes aus Großbritannien und Irland und nachdem alle „einfachen“ Ziele leer geplündert waren, beschlossen die Wikinger, dass sie ihre Aktionen besser planen mussten, um ihren Einflussbereich auszuweiten und an die wahren Reichtümer der Angelsachsen zu gelangen.

Im Jahr 865 bildeten sie eine riesige Armee, die auch als Große Dänenarmee oder, je nach dem, wen man fragte, als große Heidenarmee bekannt war.

Dies war eine Koalition nordischer Krieger aus ganz Skandinavien, wenn auch der Großteil aus Dänemark stammte.

Vorherige Wikinger-Überfälle nutzen einfache Überrumpelungstechniken, indem sie einfach angriffen und plünderten, bevor der Gegner eine Chance hatte, sich zu verteidigen. Diese Taktiken waren sehr befriedigend für die Wikinger, aber irgendwann wollten sie auch mehr.

Der Legende nach brauchten die Wikinger eine erheblich größere, geschicktere Armee, um dieses Problem zu lösen. Eine Armee, die in der Lage sein würde, tiefer in die Länder der Angelsachsen vorzustoßen und es ihren Leuten zu ermöglichte, die Region zu besiedeln.

Diese Wikingerarmee wurde von drei Söhnen des legendären Kriegers Ragnar Lodbrok angeführt: Hvitserk, Ivar der Knochenlose und Björn Eisenseite. Die genaue Größe der Armee ist nicht bekannt, doch Historiker schätzen sie als eine der größten Armeen ihrer Zeit ein.

Die Kampagne gegen die angelsächsischen Königreiche dauerte schaurige 14 Jahre an, in denen Angst und Leiden den Alltag der Menschen bestimmten.

Der König von East Anglia, Edmund der Märtyrer, bat den angreifenden Truppen Pferde als Geschenk an, in der Hoffnung, sie so zu besänftigen. Es ist nicht überraschend, dass die Wikinger dieses Geschenk nicht akzeptierten und die Länder von East Anglia vernichteten und dabei Edmund töteten.

Was geschah mit den Wikingern?

Die Wikinger setzen ihre Vernichtungskampagne gegen die angelsächsischen Königreiche über diesen vierzehnjährigen Krieg fort.

Über mehrere Jahre dieser ständigen Kriege dominierte die große Heidenarmee den Großteil Nordenglands, wo sie die Kontrolle über die angelsächsischen Königreiche Northumbria, East Anglia und einen Großteil von Mercia ausübten.

Doch die Invasion der Wikinger verlangsamte sich zwangsweise, als sich ihre Ränge zu spalten begannen und ihre Armeen sich in zwei unterschiedliche Fraktionen teilen.

Das war der Anfang vom Ende dieses Kampagne, insbesondere aufgrund der erheblichen Niederlage gegen Wessex, der einzigen Region, die sich gegen die Wikinger behaupten konnte. Die von König Alfred angeführten Armeen von Wessex waren in der Lage, im Jahr 878 in der Schlacht von Edington die Hälfte der Wikinger-Truppen zu vernichten und damit die Hoffnung der Wikinger, alle angelsächsischen Königreiche zu dominieren, zu ersticken.

Dieser Schlag gegen die Wikinger gab Wessex genug Zeit, eine starke Armee und Verschanzungen aufzubauen, die in der Lage sein würden, ein weiteres Vordringen der Nordmänner zu verhindern.

Dennoch kontrollierten die Wikinger große Teile Britanniens. Die Länder wurden praktisch zweigeteilt: Die Wikinger kontrollierten die nördlichen Regionen und das Königreich von Wessex unter Alfred den Süden.

Und so sollte es für beinahe den gesamten Rest des Wikinger-Zeitalters bleiben. 

Das Ende der Wikinger-Ära

Zu Beginn des Zeitalters der Wikinger bestand der Großteil Europas aus locker organisierten Militärbünden, denen es schwer fiel, in kurzer Zeit eine angemessene Defensive gegen die schnellen und gnadenlosen Angriffe der Wikinger aufzubauen.

Als diese Plünderungen sich im Laufe der Jahre fortsetzen, begannen die Bewohner Europas, sich zusammen zu schließen, um professionelle Armeen, ordentliche Verschanzungen und Verteidigungsmechanismen zu schaffen.

Diese ausreichend verteidigten Anlagen und gut ausgebildeten Armeen führten dazu, dass die Plünderungen der Wikinger nicht mehr funktionierten und unprofitabel wurden. Für die Wikinger bedeutete dies den Anfang vom Ende der von ihnen dominierten Ära. Genau das, was zu ihrem Erfolg geführt hatte, führte auch zu ihrem Niedergang.

Es gab keine einfachen Ziele mehr. Sogar die Kloster zogen sich in leichter zu verteidigende Standorte mit Türmen zurück, an denen sie ihre Reichtümer vor den Wikingern schützen konnten.

Andere Städte zogen einfach weiter ins Land, sodass es den Angriffstrupps der Wikinger schwerer viel, sie einfach von ihren Booten zu überrumpeln.

Schlussendlich, wie es im Laufe der Geschichte oft so war, hatte das Geld das letzte Wort: Wenn ein Unternehmen nicht mehr profitabel ist, konzentriert man sich auf einen anderen Bereich. Und genau das taten die Wikinger.

Wo sind die Wikinger heute?

Die Wikinger wurden niemals geschlagen und niemand eroberte ihre Länder. Doch sie wurden langsamer und zunehmend abgewehrt. Dies zwang sie dazu, ihre Taktik und schließlich ihre ganze Lebensart zu verändern. Mit der Zeit veränderten sich auch die Wikinger.

Die geborenen Entdecker kommunizierten und interagierten mit zahllosen Kulturen. Nach und nach beeinflussten diese Kulturen auch die Wikinger, die viele Praktiken und Religionen fremder Länder annahmen.

Das Christentum, das sich zu diesem Zeitpunkt im Großteil der bekannten Welt verbreitete, wurde auch von den Wikingern angenommen und war gegen Ende des Wikinger-Zeitalters unter den ehemaligen Heiden weit verbreitet.

Die meisten Historiker sehen 1066 als das Jahr, in dem dieses blutige Zeitalter endete. Der Todesstoß war die Schlacht an der Brücke von Stamford, in welcher der norwegische König Harald Hardrada in der Schlacht, bei der er einen Großteil Englands zurückerobern wollte, abgewehrt, geschlagen und im Kampf getötet wurde.

Dies war der letzte große Vorstoß der Wikinger nach Europa. Von diesem Zeitpunkt an integrierten sie sich zunehmend in der europäischen Gesellschaft, legten langsam die Gestalt der Piraten und Plünderer ab und wurden zu einer normalen Bevölkerungsgruppe Europas.

Man nannte sie nicht mehr Wikinger, sondern Dänen, Schweden, Norweger, Isländer, Grönländer und Färöer.

Das Zeitalter der Wikinger war zu Ende, doch ihre Geschichten und Legenden werden auf ewig in Geschichte, Kunst und Kultur überdauern.

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