Traditionelles Wikingeressen: Was aßen die Wikinger wirklich?

PLARIUM-TEAM
21.5.2019
6 Minuten Lesezeit

Was aßen die Wikinger? Der durchschnittliche Wikinger war wie ziemlich jeder andere Durchschnittsmensch während der Feudalzeit. Sie bauten ihr Nahrung selbst an und zogen Tiere auf.

Aufgrund des nordischen Klimas konnten Wikinger nur Gerste, Hafer und Roggen anbauen, denn diese Pflanzen wuchsen am besten in ihren Böden.

Fleisch stammte von den Tieren, die sie aufzogen und spielte ebenfalls eine wichtige Rolle in der Ernährung der Wikinger. Dazu zählten Kühe, Pferde, Ochsen, Ziegen, Schweine, Schafe, Hühner und Enten. 

Außerdem fischten sie auch und jagten in ihrer Umgebung, um in dieser schwierigen Zeit der menschlichen Geschichte über die Runden zu kommen.

Die Wikinger-Krieger wurden weltweit geachtet und gefürchtet für ihre Fähigkeiten im Plündern, brandschatzen und Alles-an-sich-reißen.

Trotzdem wissen nur die wenigsten mehr darüber, wie der Alltag eines durchschnittlichen Wikingers aussah.

Selfoss, Iceland

Die Grundlagen der Wikinger-Ernährung

Der übliche Wikingerhof war klein, aber dennoch ausreichend groß, um die eigene Familie zu versorgen.

Leider waren die Wikinger nicht bekannt für ihre Kochbücher, daher wurden nicht viele alte Wikingerrezepte überliefert.

Was wir jedoch wissen, ist dass das Getreide, das die Wikinger auf ihrem Land anbauten, einen großen Teil der täglichen Ernährung ausmachte. 

Kohl

Der geerntete Hafer und die Gerste wurden zu Mehl gemahlen, welches wiederum zu einem Teig verarbeitet und in einem Ofen über offener Flamme gebacken wurde – die Wikinger buken also ihr eigenes Fladenbrot.

Außerdem bauten sie eine große Vielzahl von Gemüse an, welches eine wichtige Rolle in der Ernährung der Wikinger spielte.

Dazu zählten Kohl, Zwiebeln, Knoblauch, Lauch, Rüben, Erbsen und Bohnen.

Die Frauen und Kinder der Wikingerfamilie sammelten zudem auch viele Pflanzen aus der Wildnis.

Unter anderem sammelten sie Nesseln, Sauerampfer, Kresse und Gänsefuß.

Wikingernahrung: Reich an Protein

Doch die Wikinger konnten nicht nur von Pflanzen leben und benötigten eine zuverlässige Proteinquelle für ihre Ernährung.

Wie zu Beginn des Artikels erwähnt hielten die Wikinger eine Vielfalt von Nutztieren, sodass das Wikinger-Menü eine große Auswahl an Fleisch beinhaltete.

Wikinger aßen Rindfleisch, Ziege, Schwein, Hammel, Lamm und Geflügel. In schwierigen Zeiten wurden auch gelegentlich Pferde gegessen.

Fleisch

Viele der Tiere, die Wikinger hielten, waren nicht nur eine Fleischquelle, sondern wurden auch für ihre anderen Ressourcen geschätzt.

Wikinger-Kühe waren häufig schon sehr alt, bevor sie für ihr Fleisch geschlachtet wurden, was darauf hinweist, dass die Wikinger die Kühe für ihre Milch hielten.

Sie nutzten diese Milch auch, um Käse, Joghurt, Quark und Butter herzustellen.

Außerdem sammelten die Wikinger die Eier von Enten und Hühnern, die einen festen Bestandteil ihrer Ernährung ausmachten.

Außerdem waren die Wikinger geschickte Fischer und Jäger.

Sie fischten sowohl im Meer wie auch in anderen Frischwasserquellen nach allen Fischen, die sie von dort beziehen konnten. Das war ein einfaches Unterfangen, da sich die meisten Wikingersiedlungen an der Küste befanden.

Die Fischerei machte einen erheblichen Bestandteil – schätzungsweise 25 % – der Wikinger-Ernährung aus.

Wikinger-Mahlzeiten

Die Tatsache, dass Wikinger ihre eigene Nahrung anbauen, jagen oder sammeln mussten, bedeutete, dass sie einem strengen Zeitplan folgen mussten, um so viel wie möglich anzubauen bzw. zu erhalten.

Das Gros der nordischen Ernährung war saisonal, sodass während der sonnigen Monate Vorräte gesammelt werden musste und keine Zeit zu verschwenden war. Sie standen früh morgens auf, um sich ihren Aufgaben zu widmen.

Haakon Jarl

Die erste Mahlzeit des Tages war als „dagmál“ oder „Tagesessen“ bekannt. Dies war das Frühstück der Wikinger, welches meist ein bis zwei Stunden nach Beginn der Arbeit verzehrt wurde. 

Fürs dagmál aßen Erwachsene die Überreste vom Eintopf des Vorabends aus dem Suppenkessel. Dazu aßen sie, wenn verfügbar, etwas Brot und Früchte.

Die Kinder aßen eine Portion Haferbrei sowie verschiedenes Brot, getrocknete Früchte und Buttermilch.

Das dagmál, welches zwischen sieben und acht Uhr morgens gegessen wurde, musste sie mit genug Energie für den gesamten Arbeitstag versorgen.

Die zweite und letzte Wikinger-Mahlzeit des Tages war das „náttmál“, die Nachtmahlzeit.

Diese Mahlzeit wurde am Ende des Arbeitstages serviert, zwischen sieben und acht Uhr Abends, und entsprach dem Abendessen der Wikinger.

Wikinger-Eintopf

Die Wikingerfrauen waren fürs Kochen und die Zubereitung der Mahlzeit zuständig, welche meist aus einem Eintopf mit Fisch oder Fleisch sowie Gemüse bestand.

Zu diesem Eintopf nahmen die Wikinger Brot zu sich, und gelegentlich Obst oder Nüsse mit Honig.

Honig war das einzige Süßungsmittel, das den Wikingern zur Verfügung stand.

Zu den Mahlzeiten tranken die Wikinger Bier und Met und Buttermilch. Alle Getränke stellten sie ebenfalls selbst her.

Nach dem Ende des náttmál kam der Wikingertag zu seinem Ende. Man zog sich zurück, kuschelte sich um ein zentrales Feuer und die Erwachsenen erzählten den Kindern Geschichten.

Walhalla

Zubereitung von Wikinger-Essen

Viele Werkzeuge aus der Wikingergeschichte haben überlebt und sind auch typisch für andere Haushalte während des Mittelalters.

Diese Werkzeuge kämen den meisten von uns heute bekannt vor, denn sie unterscheiden sich nur wenig von denen, welche wir heute verwenden.

Tiere wurden von den Männern geschlachtet, gehäutet und vorbereitet. Die Zubereitung der Mahlzeiten war hingegen Aufgabe der Frauen und Mädchen.

Sobald das Fleisch vorbereitet war, wurde es mit anderen Zutaten für den Wikinger-Eintopf in einem Kessel aus Eisen, Ton oder Speckstein über dem „ máleldr“ („Mahlzeiten-Feuer“) gekocht.

Außerdem waren die Wikinger ziemlich fortschrittlich und aßen ihr Essen mit handgemachten Holzutensilien und Spießen, die dem Besteck, das wir heute verwenden, ziemlich ähnlich sahen.

Rosala Vikingacentrum

Traditionelle skandinavische Küche

Wir bereits erwähnt zeichneten die Wikinger ihre Rezepte leider nicht auf. 

Doch als die Wikinger im Laufe der Zeit ruhiger wurden und sich vom Plündern und der Kriegsführung zurückzogen, integrierten sie sich zunehmend in die europäische Gesellschaft.

Mit der Evolution ihrer Lebensweise übernahmen sie auch zahlreiche kulinarische Gewohnheiten ihrer Nachbarn und fügten ihrem traditionellem nordischen Essen verschiedene Gewürze und Zutaten hinzu.

Die Rezepte und Kochweisen, die sich über diese Epoche etablierten, gelten heutzutage als traditionell skandinavisches Essen.

Es wurden einige traditionelle Wikinger-Mahlzeiten rekonstruiert, welche dem traditionellen nordischen Essen sehr nahe kommen:

Kornmjölsgröt (Gerstenbrei)
Osyrat Kornbröd (Gersten-Fladenbrot)
Nässelsoppa (Brennnesselsuppe)
Mit Honig glasiertes Wurzelgemüse
Kokt Svinmålla (Gekochtes Lammkarree)
Pfannkuchen mit Beeren

Obwohl viele dieser alten Wikingerrezepte an sich auch ganz lecker sind, hat sich die skandinavische Küche weiter entwickelt und ist heute sogar noch köstlicher – auch wenn ihre Wurzeln noch gut erkennbar sind.

Nachfolgend ein paar moderne Beispiele für traditionelle nordische Küche:

Dänisches Roggenbrot
Dänischer gesalzener Gurkensalat
Lachsröllchen
Dänische Blätterteigstangen (Frøsnappers)
Schwedische Erbsensuppe mit Köttbullar

Bis heute setzen skandinavische Köche diese alten Traditionen fort und bringen uralte Zutaten und Zubereitungsweisen in die Moderne. So schaffen sie neue, köstliche Gerichte, auf die ihre Vorväter stolz wären.

Zusammenfassung

Auch wenn die Wikinger in erster Linie für ihre gnadenlose Kriegsführung und die vielen militärischen Erfolge bekannt sind, die sie im Laufe der Geschichte und des Zeitalters der Wikinger feierten, waren sie viel mehr als nur blutrünstige Killer.

Wie dieser Artikel zeigt, konzentrierten sich nicht alle Wikinger auf Krieg und Plünderei. 

Viele Wikinger waren einfache, normale Leute, die nur irgendwie im Mittelalter überleben wollten.

In dieser Epoche der Weltgeschichte war Luxus rar und nur wer hart arbeitete, konnte überleben.

Sie bauten ihre eigenen Lebensmittel an, ernteten, zogen Tiere auf und schlachteten diese. Sie bereiteten ihre Nahrung selbst zu und aßen in guten Zeiten ordentlich, mit gelegentlichen Festmahlen.

Aber sie wussten auch um den Wechsel der Jahreszeiten und dass der Winter immer bevorstand. Sie teilten sich ihre Nahrung entsprechend ein und mussten vorausschauend planen, um es auch durch die knappen Zeiten zu schaffen.

Die alten Wikinger waren wirklich interessante, fantastische Menschen, die bewiesen, dass man mit Motivation und harter Arbeit auch die schwersten Zeiten überstehen kann.

Vikings: War of Clans

Du bist ein Wikinger! Du bist der Held!

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