Die einzigartige Welt der Strategie-RPGs

19.3.2018

Die Grenze zwischen RPGs und beinahe allen anderen Genres verschwimmt in den letzten Jahren immer mehr.

Während Entwickler versuchen, ihren Kreationen mehr Tiefe und Persönlichkeit zu verleihen, tauchen RPG-Elemente an Orten auf, an denen man sie am wenigsten vermutet.

Fesselnde Geschichten, Levelsysteme und mehrschichtige Charaktere tauchen nun in vielen anderen Genres auf, sogar einigen, in denen man sie nie erwarten würde.

Im Grunde leben wir in einer Post-RPG-Welt, in der Hybridformen die Norm sind.

Ein Bereich, welcher in den letzten Jahren von RPG-Funktionen erobert wurde, sind die Strategiespiele.

Sie sollen das Genre über ihre doch recht kalten und berechnenden Wurzeln hinauswachsen lassen. RPG-Strategiespiele wie zum Beispiel die „Fire Emblem“-Franchise integrieren Strategie und immersive Welten nahtlos.

Eines der beliebtesten Spiele der Serie, Fire Emblem Awakening, zeichnet sich durch eine dominante Story aus, welche von einer epischen Schlacht über mehrere Kontinente hinweg handelt. In typischer RPG-Art können alle Charaktere auf verschiedene Art und Weise angepasst werden, um besser mit dem Terrain zurecht zu kommen und dem Spiel mehr Tiefe zu verleihen.

Im Gegensatz zu üblichen RPGs können sich die Spieler jedoch nicht einfach durch das Spiel metzeln. Um erfolgreich zu sein, müssen sie viele verschiedene Strategien und Taktiken anwenden und lernen, die Stärken der verschiedenen Charaktere zu nutzen, um die vielen Herausforderungen des Spiels zu meistern.

Fire Emblem Awakening ist das, was man unter einem Taktischen RPG versteht.

Die Geburt der Strategie-Rollenspiele

Strategie-RPG, auch bekannt als taktische Rollenspiele, können bis zu den traditionellen Tabletop-Rollenspielen wie dem klassischen „Dungeons & Dragons“-Brettspiel zurück verfolgt werden.

So „cool“ diese auch sein mögen, wir interessieren uns mehr für die Variationen in Videospielen. Wie so viele andere auch entstand dieses Subgenre in den 80er Jahren in Japan. Spiele wie The Dragon and the Princess und Bokosuka Wars waren unter den ersten, welche das Fundament für das neue Genre der sogenannten „Simulation-RPGs“ bildeten.

Doch erst 1988 begannen diese Hybriden aus Strategie und RPG, Form anzunehmen.

Für viele ist das Strategie-RPG Silver Ghost das erste vollständige Strategie-RPG. Spieler konnten eine Point-and-Click Steuerung verwenden, um durch eine Echtzeit-Umgebung zu navigieren und mehrere Charaktere/Einheiten steuern. Wenn dies für dich nach einem RTS-Spiel klingt, dann liegst du nicht falsch - genau so ebnete es den Weg für die „RTS/RPG“-Hybriden.

Dem Erbe von Silver Ghost treu bleibend brachte das Spiel First Queen durch seine einzigartige Umsetzung des Subgenres die Strategie-RPGs noch einen Schritt weiter. In diesem Spiel erforschen Spieler eine interaktive Welt voller verschiedener Charaktere, Verbesserungen und einer einzigartigen Szenerie – alles Standardelemente eines RPGs.

Doch in den Schlachten war Strategie gefragt. Spieler von First Queen verbringen viel Zeit damit, Soldaten zu rekrutieren und sie in groß angelegten Schlachten zu steuern. In Kombination mit der Möglichkeit, den Echtzeit-Kampf zu pausieren, ermöglichte diese Funktion dem Spieler, computergesteuerte Armeen mit präzisen, strategischen Zügen zu schlagen.

Diese Hybriden zeigten, dass es möglich ist, immersive RPG-Welten zu erschaffen und trotzdem erfolgreich strategische Elemente zu integrieren. Fire Emblem brachte dieses Konzept dann 1990 unter die breite Masse und viele der Funktionen von damals sind bis heute in Gebrauch.

Im Verlauf der 90er haben Spiele wie Arc the Lad II, die „Farland Story“-Reihe, Front Mission und viele mehr geholfen, das Genre „Strategie-RPG“ weiterzuentwickeln.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends erschienen dann die ersten Mobil-Titel zum Genre. Während Spiele wie Valkyria Chronicles und Fire Emblem die Konsolen dominierten, machten Marken wie Banner Saga Handy-Strategie-RPGs zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz.

Im Laufe der Jahre konnte man ein langsames Zusammenwachsen der Genres „Strategie“ und „RPG“ zu einem vollkommen neuen Genre beobachten. Strategie-RPGs sind also perfekt für jene, die Spaß an strategischen Entscheidungen haben, aber eine „persönlichere“ Erfahrung wollen, als die eines Generals, der nur Armeen auf dem Schlachtfeld kommandiert.

Wie Strategie-RPGs Strategie und RPG miteinander kombinieren

Durch unseren Überblick über die Geschichte der Strategie-RPGs ist bereits grob erkennbar, wie das Genre funktioniert.

Statt sich auf Reflexe oder Tastendrücke in Echtzeit zu verlassen, liegt die Essenz eines Strategiespiels darin, die besten Züge für die jeweilige Situation auszuwählen oder die Konsequenzen zu tragen. Auch Strategie-RPGs verlieren diesen Aspekt nicht. Die Kombination aus einer gut erzählten Geschichte, großen Welten und anpassbaren Charakteren lassen den Spieler nur noch tiefer in das Spiel eintauchen.

Wenn man sich diese Dynamiken genauer ansieht, kann man das Zusammenspiel zwischen Strategie und Taktik sehr gut erkennen. Grundsätzlich kann man sagen, das „Strategie“ sich auf ein übergeordnetes Ziel bezieht: Das „große Ganze“, welches dem Spieler letztendlich zum Sieg verhilft. Im Kontrast dazu bezieht sich „Taktik“ auf Details eines Kampfes, die speziellen Schritte, welche in einer Situation ausgeführt werden, wie zum Beispiel „nutze Waffe X gegen Ziel Y mit Einheit Z“.

Wenn ein Spiel es erfordert, sich auf eine übergeordnete Strategie zu konzentrieren, zum Beispiel die Überquerung der Karte auf möglichst effiziente Weise, dann ist es eher ein Strategiespiel. Wenn du dich aber mehr auf deine Waffen konzentrieren musst und wie du sie in einzelnen Kämpfen verwendest, dann tendiert es eher in Richtung RPG. Wenn also diese beiden Elemente in einem einzelnen Spiel kombiniert werden, erhält man ein Strategie-RPG.

Natürlich tendieren manche Spiele eher in die eine Richtung des Spektrums als andere. Außerdem solltest du nach den folgenden Eigenschaften Ausschau halten, um zu sehen ob es sich um ein Strategie-RPG handelt:

Team-Spieler: Wenn RPGs Spieler üblicherweise in die Rolle eines einzelnen Charakters schlüpfen lassen und Strategiespiele ihm die Kontrolle über komplette Armeen überlassen – dann bieten Strategie-RPGs eine Kombination aus beidem.

Zum Beispiel steuert man in Fallout Tactics: Brotherhood of Steel eine Einheit von Soldaten. In dieser Situation kannst du die individuellen Stärken deiner Charaktere nutzen, jedoch immer im Kontext eines Teams. Du musst stets die Rolle eine Charakters in einem Squad berücksichtigen und sicherstellen, dass alle Mitglieder sich gegenseitig mit ihren Fähigkeiten unterstützen und ergänzen.

Diese Dynamik ist etwas, das häufig sowohl in RPG- als auch in Strategiespielen fehlt, jedoch im Hybrid-Genre wunderbar zusammenpasst.

Nur ein Leben: In den meisten Spielen heißt es „Game over“, sobald dein Hauptcharakter stirbt. Lade deinen Speicherstand und versuche es erneut. Das ist nicht der Fall in Strategiespielen, in denen dir eine quasi endlose Anzahl an Einheiten zur Verfügung steht.

Wieder einmal bieten Strategie-RPGs eine gute Mischung beider Konzepte. Dein Hauptcharakter muss den Kampf überleben, doch das gleiche gilt nicht zwingend für den Rest der Gruppe.

Dies kann sowohl RPG- als auch Strategie-Spieler herausfordern. Strategiespieler sind es nicht gewohnt, eine einzelne Einheit schützen zu müssen – für sie zählt nur ihre Basis oder das „Große Ganze“. RPG-Spieler andererseits fühlen sich häufig unwohl mit der Idee des „endgültigen Todes“ – einen Charakter für immer zu verlieren.

Der taktische Ansatz: Im Gegensatz zu Standard-RPGs, in denen man direkt im Geschehen steckt, treten Spiele des Hybrid-Genres einen Schritt zurück und schauen sich alles aus einer eher taktischen Perspektive an. Einige Strategie-RPGs verwenden eine isometrische oder Vogelperspektive, wenn die Zeit für einen Kampf gekommen ist.

Dieser Wechsel zwischen der Perspektive eines Charakters und der Sicht von oben bricht vielleicht ein wenig die Immersion des Spiels, doch es hilft, die strategischen Elemente des Spiels hervorzuheben.

Andererseits sind Strategiespiele häufig nicht sehr beliebt bei der breiten Masse an Spielern, da sie nicht das Level an Immersion bieten, welches sich der durchschnittliche Spieler wünscht. Deshalb bieten Strategie-RPGs eine etwas persönlichere Perspektive auf die Spielgeschichte. Wenn sich eine Geschichte um einen zentralen Charakter dreht – den der Spieler zufällig kontrolliert – dann schadet eine Änderung des Kamerawinkels nichts an der emotionalen Beteiligung des Spielers.

Ist Strategie-RPG das richtige Genre für dich?

Würdest du es vorziehen, auf eine Karte zu starren und deine Fähigkeiten für langfristige Entscheidungen zu trainieren oder willst du mitten im Geschehen sein? Dies sind die Möglichkeiten, die man üblicherweise hat, wenn man sich zwischen Strategiespielen und RPGs entscheiden muss.

Doch mit Strategie-RPG musst du nicht wählen. Dieses einzigartige Subgenre bietet das beste beider Welten.

In vieler Weise war die Verschmelzung von RPGs und Strategiespielen ein Erfolg. Zum Beispiel war Project X Zone ein voller Erfolg, nicht nur, weil es einige der Hauptcharaktere von Sega, Bandai Namco und Capcom kombinierte. Sondern auch, weil die Dynamik eines „2D-Brawlers“ ein bekanntes Setting für Gelegenheitsspieler bietet. So konnte Project X Zone taktische Kämpfe einfach integrieren.

Natürlich hängt es immer vom Spiel ab. Einige sind eher Rollenspiele und verdienen die Definition „Taktisches RPG“, während andere sich mehr an der traditionellen RTS-Erfahrung orientieren, jedoch RPG-Elemente verwenden.

Doch Fans beider Genres werden im Genre „Strategie-RPG“ immer etwas finden, das sie unterhält und herausfordert.

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