Die Geschichte des ersten Videospiels: wer hat es erfunden und warum

5.7.2018

Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Zukunft nicht gestalten.

Dies gilt für Videospiele ebenso wie für jedes andere Berufsfeld. Glücklicherweise hat die Videospielindustrie eine reichhaltige, aufregende Vergangenheit, von der wir viel lernen können.

In diesem Artikel blicken wir auf die Vergangenheit zurück und erforschen die Anfänge einer der am schnellsten wachsenden und beliebtesten Unterhaltungsindustrien.

Dazu sehen wir uns eine Reihe von Schlüsselfragen an:

  • Welches war das allererste Videospiel?
  • Wer hat das erste Videospiel entwickelt?
  • Wann wurde das erste Videospiel entwickelt? 
  • Warum wurde es entwickelt?

Wer hat das erste Videospiel erfunden?

Es mag auf den ersten Blick scheinen, dass die Antworten auf diese Fragen schnell und einfach zu finden sind. Aber wie bei vielen anderen Fragen aus der Kategorie „Was war am Anfang?“ oder „Wer hat das erfunden?“ ist es nicht so leicht, die Antwort unter all diesen Geheimnissen und der Verwirrung zu finden. Ich hoffe, ich kann dir dabei helfen.

Was ist ein Videospiel?

Wenn man die Fakten und die Entstehungsgeschichte eines Videospiels diskutiert, ist es wichtig zu verstehen, was man als Videospiel bezeichnet.

Es gibt ein paar Definitionen, was ein Videospiel ist, aber wir halten uns dabei an die einfachste:

Ein Videospiel ist alles, womit man interagieren kann, indem man computergenerierte Bilder auf einem Bildschirm elektronisch steuert.

Einige würden behaupten, dass das Verb „spielen“ in diese Definition muss einbezogen werden. Denn die Rede ist von einem Spiel. Viele moderne Definitionen berücksichtigen jedoch die Tatsache, dass Videospiele auch als eine Kunstform betrachtet werden können, deren Botschaft in einer interaktiven Form übertragen wird.

Um herauszufinden, welches das erste jemals entwickelte Videospiel ist, sollten wir auf eine wesentlich technischere Definition zurückgreifen.

Laut Wikipedia:

„Damit ein Produkt als Videospiel gilt, muss technisch ein Videosignal an eine Kathodenstrahlröhre (CRT) übertragen werden, die ein gerastertes Bild auf einem Bildschirm erzeugt.“

Videospiel-Definition

Obwohl diese Definition vielleicht unverständlich erscheint, weist sie auf die technischen Parameter dessen hin, was damals als Videospiel galt.

Darüber hinaus gibt sie uns eine klare Vorstellung davon, welches das erste jemals entwickelte Videospiel war, was bei unserer Suche nach der Wahrheit sehr wichtig ist.

Heute ist die Definition eines Videospiels viel umfassender.

Nur die Spielpuristen unter uns würden jedoch argumentieren, dass zahlreiche Mobilspiele aus technischer Sicht keine Videospiele sind. Oder dass Virtual Reality Simulationen, die in den letzten Jahren für PCs und Konsolen sehr beliebt sind, nichts anderes sind als ein „Spielerlebnis“, aber keine richtigen Spiele.

Im modernen Sinn gelten sie als Videospiele. Allerdings müssen strenge Parameter gesetzt werden, wenn wir bei unserer Suche nach der Wahrheit konkrete Antworten finden wollen.

Welches das allererste Videospiel war 

Ähnlich wie bei der Diskussion um viele Entdeckungen und Erfindungen kann man im Internet verschiedene Antworten auf die Fragen finden, welches das erste Videospiel war und wer es erfunden hat.

Aber wenn man alle Informationen nach der Wahrheit durchkämmt, dann gibt es nur wenige Kandidaten für diese Rolle.

Der erste unter ihnen ist „Bertie the Brain“.

Bertie the Brain

Viele sehen „Bertie the Brain“, das von einem Erfinder namens Josef Kates im Jahre 1950 entwickelt wurde, als das erste Videospiel an.

Das vier Meter hohe Riesengerät, das auf der Canadian National Exhibition ausgestellt war, spielte ein bekanntes Spiel namens Tic-Tac-Toe, das jeder seit seiner Kindheit kennt (auf Deutsch auch als „Drei gewinnt“ und „Kreis und Kreuz“ bekannt).

„Bertie the Brain" - fast das erste Videospiel

Wochenlang konnten Besucher der Canadian National Exhibition in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden gegen die künstliche Intelligenz von „Bertie the Brain“ antreten, um sich zu amüsieren.

Für viele von uns im 21. Jahrhundert mag die Einfachheit eines solchen Spiels langweilig erscheinen. Was man jedoch in Betracht ziehen muss, ist, dass Bertie the Brain damals ein Wunderwerk der Technik war - etwas, das noch niemand zuvor gesehen hatte.

Leider wurde dieses Gerät nach Abschluss der Ausstellung demontiert und von den meisten als verrückte „Spielerei“ abgetan.

Das bringt uns zurück zur Definition davon, was ein Videospiel nun wirklich IST.  Eine Definition, der „Bertie the Brain“ nicht ganz entspricht.

William Higinbotham: Der Mann, der Videospiele erfand

Obwohl OXO ein wichtiger Teil der Geschichte der Videospiele war, entsprach es nicht der wirklichen Definition des Begriffs „Videospiel“.

Dies bringt uns zum nächsten Spiel, bei dem es sich Spielpuristen zufolge um das erste echte Videospiel handelt.

Blicken wir acht Jahre in die Zukunft — 1958 - und reisen zum Brookhaven National Laboratory. Dort treffen wir einen Physiker namens William Higinbotham.

William Higinbotham, geboren am 25. Oktober 1910, war kein einfacher Physiker. Er hatte bereits eine beeindruckende Karriere hinter sich, da er ein Mitglied des Wissenschaftlerteams war, das die erste Atombombe geschaffen hatte.

William Higinbotham, der Erfinder des ersten Videospiels

Nicht viele Spieler wissen, dass der Mann, der erfand, was wir heute ein Videospiel nennen, auch einer derjenigen war, die für die Entwicklung der schlimmsten vom Menschen erdachten Vernichtungswaffe verantwortlich waren.

Es ist ein interessanter Widerspruch, der einerseits die Genialität dieses Mannes hervorhebt und andererseits beweist, dass nicht alles auf dieser Welt einfach schwarz oder weiß ist.

Die Tatsache, dass William ein Teil dieses Teams war (und aller damit einhergehenden Konsequenzen), quälte ihn bis zum Ende seines Lebens. Aus diesem Grund wurde er eines der Gründungsmitglieder der „Federation of American Scientists“, einer Gruppe mit der Absicht, Wissenschaft und wissenschaftliche Analysen zu nutzen, um die Welt zu einem sichereren Ort zu machen.

Higinbotham, der bereits zur Geschichte beigetragen hatte, arbeitete seit 1947 am Brookhaven National Laboratory. Dort erfand er Tennis for Two.

Tennis for Two: das erste Videospiel der Welt

Im Oktober 1958 wurde das erste echte Videospiel der Öffentlichkeit vorgestellt. Es geschah am Tag der offenen Tür im Brookhaven National Laboratory.

Zum Erstaunen von Besuchern und sogar Higinbotham selbst erwies sich das erste Videospiel, das von ihm entwickelt wurde, als Besuchermagnet.

Die Menschen standen Schlange, um Tennis for Two spielen zu können.

Mit einem kleinen Analogcomputer konnten die Spieler zwei Knöpfe einstellen und einen Knopf drücken, um eine Partie Tennis auf einem Oszilloskop zu simulieren. Im Wesentlichen war dies eine frühe Version des Erfolgsspiels Pong, das 14 Jahre später entwickelt werden würde.

Das Spiel, das binnen weniger Stunden entwickelt wurde, war ein großer Erfolg. Higinbotham freute sich, denn genau das war sein Ziel: Dieser Veranstaltung, die oft als langweilig beschrieben wurde, ein bisschen Leben einzuhauchen.

Warum - so fragen viele - wurde das erste Videospiel erfunden? Es gibt viele Antworten auf diese Frage, aber einer der wichtigsten Gründe dafür war, der Welt Freude und Unterhaltung zu bringen.

Higinbotham erfand Videospiele, um zu zeigen, dass es in der Wissenschaft nicht nur um Krieg und Zerstörung geht. Obwohl er half, die Atombombe zu erschaffen, die großes Leid, Tod und Zerstörung in die Welt brachte, ist er auch der Vater der Videospiele, einer der weltweit führenden Formen der Unterhaltung.

Tennis for Two - das erste Videospiel

Tennis for Two wurde schnell zum beliebtesten Teil der Ausstellung und begeisterte Menschen, die es spielten, trotz des Mangels an außergewöhnlichen Grafiken oder komplizierten Steuerelementen. Die Spieler zählten ihre Punkte selbst und forderten andere heraus.

Higinbotham konnte damals nicht ahnen, dass er eine revolutionäre Bewegung in Gang gesetzt hatte. Es war eine Bewegung, die in den kommenden Jahren weiter wachsen und die Unterhaltungsindustrie schließlich zu dem machen würde, was sie heute ist.

Tennis for Two wurde wie auch sein Vorgänger, OXO, nach der Veranstaltung von Brookhaven National Laboratory weitgehend vergessen. Erst viele Jahre später blühte der an diesem schicksalhaften Tag gepflanzte Samen auf und begann Wurzeln zu schlagen.

Obwohl William Higinbotham als Vater des ersten jemals entwickelten Videospiels anerkannt war, konzentrierte er sich nicht auf diesen Forschungsbereich. Nachdem er diese Aufgabe an andere kompetente Wissenschaftler abtrat, widmete er den Rest seiner beruflichen Karriere wieder der Steuerung nuklearer Waffen.

Tennis for Two, ein wichtiger Teil der Spielgeschichte, wurde leider demontiert und seine Bestandteile wurden in anderen Projekten verwendet. So wurde ein weiteres Überbleibsel der Spielgeschichte zerstört und ging verloren.

Dennoch ging die Erfolgsgeschichte weiter. Von diesem Punkt an begann die Videospielindustrie sich erfolgreich weiter zu entwickeln und im Laufe der Jahre an Dynamik zu gewinnen.

Der Aufstieg der Videospielkultur

Für den Rest der 1950er und 1960er Jahre passierte nichts wirklich Bemerkenswertes im Bereich der Videospielindustrie. Doch langsam, aber sicher schritt der Fortschritt voran, als andere brillante Köpfe begannen, sich für das zu interessieren, was wir heute „interaktive Medien“ nennen.

Die Videospielkultur stieg mit Pongs Erfindung erst in den 1970er Jahren an

Überall auf der ganzen Welt entstanden Arcade-Spiele, die es jungen Menschen ermöglichten, sich zu entspannen, miteinander zu treffen und zu kommunizieren. Parallel dazu brachten sie eine Wettbewerbskultur hervor, welche die Spieler (und die Spielindustrie selbst) dazu zwang, über die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit hinaus zu gehen und viel Wert auf Ausdauer, Geduld, harte Arbeit und Übung zu legen.

Doch erst mit der Entwicklung von Pong begann die Bewegung wirklich sprunghaft zu wachsen. Pong wurde der erste Blockbuster unter den Spielen, welche Amerika in ihren Bann zogen und zum superschnellen Wachstum der Spieleindustrie führte.

Pong machte Atari in den Vereinigten Staaten sehr bekannt. Fast jede amerikanische Familie hatte eine Videospielkonsole dieses Herstellers.

Im Laufe der Jahre haben wir ein atemraubendes Wachstum der Spielindustrie erlebt, die sich in diesen Jahrzehnten rasant entwickelt hat. Natürlich gab es auch Misserfolge.

Der 1983 in Japan als „Atari Shock“ bezeichnete Video Game Crash war ein massiver Rückschlag und führte zur Rezession in der Spielindustrie, die bis 1985 andauerte.

Nordamerika war vom Zusammenbruch der Spielindustrie besonders stark betroffen. Der nordamerikanische Videospielmarkt wurde übersättigt und die Spielindustrie befand sich im freien Fall, was zu einer Konkurswelle führte und das Ende „der zweiten Generation der Konsolen-Ära“ einleitete.

Wie wir bereits wissen, war es noch lange nicht das Ende. Das Nintendo Entertainment System war gleich um die Ecke und das neue goldene Zeitalter bereits am Horizont sichtbar.

Zusammenfassung

Schätzungen zufolge betrug der Umsatz der US-amerikanischen Spielindustrie im Jahr 2017 rund 36 Milliarden Dollar. Hierbei ist zu beachten, dass die Vereinigten Staaten zwar das größte Stück ausmachen, es immer noch nur ein Teil vom Umsatzkuchen ist.

Videospiele sind größer als Filme

Das bedeutet, dass die Spielindustrie nicht nur ihre Konkurrenten in anderen Segmenten der Unterhaltungsbranche, sondern auch Hollywood überholt hat.

Es ist schwer vorstellbar, dass Josef Kates oder William Higinbotham, zwei Pioniere der Branche, solche Zukunft für die Spielindustrie hätten vorhersagen können oder sich die Rolle hätte vorstellen können, welche sie bei der Gestaltung der Videospielindustrie spielten — der größten Unterhaltungsindustrie, die von Millionen Menschen auf der ganzen Welt genossen wird.

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