Die Unterschiede zwischen Echtzeit- und rundenbasierten Strategiespielen

25.4.2018

Strategiespiele zählen zu den komplexesten Videospielen.

Dabei muss man in erster Linie wissen, dass sie meist einem von zwei ähnlichen, aber unterschiedlichen Subgenres angehören: RTS und TBS.

Vielleicht hast du dazu bereits Fragen, z. B. wofür TBS und RTS stehen.

Beantworten wir diese zuerst, damit wir alle auf dem gleichen Stand sind:

  • RTS steht für Real-time Strategy (Echtzeit-Strategie).
  • TBS steht für Turn-based Strategy (rundenbasierte Strategie).

Das mag jetzt nicht so wichtig klingen, aber glaube mir: Der Unterschied zwischen RTS und TBS ist der Schlüssel, um das gesamte Strategiegenre zu verstehen.

Klären wir also den Konflikt auf: RTS vs. TBS – worin unterschieden sie sich und welche Variante ist besser?

Echtzeit-Strategie vs. rundenbasierte Strategie

Die meisten Strategiespiele zeichnen sich dadurch aus, wie das Konzept der Zeit innerhalb des Spiels gehandhabt wird.

Wenn du den Unterschied zwischen einem rundenbasierten und einem Echtzeit-Strategiespiel erkennen willst, musst du dir nur ansehen, wie die Zeit im Spiel vergeht.

Wenn die Zeit in Phasen unterteilt wurde und jedem Spieler bzw. KI-Gegner ein bestimmtes Zeitfenster zugeordnet wird, in dem die persönliche Strategie durchgeführt werden kann, spielst du wahrscheinlich ein rundenbasiertes Strategiespiel.

Anders gesagt: Wenn das Spiel in mehreren Runden abläuft, spielst du ein rundenbasiertes Spiel.

Wenn die Zeit wie im realen Leben vergeht und alle Spieler gleichzeitig spielen, handelt es sich wahrscheinlich um ein Echtzeit-Strategiespiel.

Hier werden alle Entscheidungen unter Druck und einer ständigen Angriffsbedrohung getroffen – und es gibt keine Pausen.

Bevor wir die Frage beantworten, worin der Unterschied zwischen Echtzeit-Strategie und rundenbasierter Strategie besteht, sollten wir uns ansehen, wie vielfältig jedes dieser Genres selbst ist.

Rundenbasierte Strategiespiele

Wenn du mit diesem Format nicht vertraut bist, kannst du dir ein rundenbasiertes Spiel am besten vorstellen wie ein digitales Brettspiel.

Im traditionellen Brettspiel-Format ist jeder Spieler mal an der Reihe, um nachzudenken, seine Strategie zu planen und seine Entscheidungen entsprechend der Karten bzw. Objekte auf dem Spielbrett in die Tat umzusetzen.

Das Spiel schreitet dadurch ordentlich voran, jeder wartet seine Runde ab und lässt die anderen agieren, bevor sie selbst ihre Aktionen auf dem Spielbrett ausführen.

Das gleiche trifft bei vielen rundenbasierten Strategiespielen zu. Spieler und KIs haben nacheinander die Chance, ihre Intelligenz, ihr Geschick und ihre Ressourcen zu nutzen, um das Spielziel zu erreichen.

Sehen wir uns zwei verschiedene Arten rundenbasierter Strategiespiele an: die XCOM-Reihe von Firaxis Games sowie die Total War Spielreihe von Creative Assembly.

In XCOM befiehlst du über ein Team alienjagender Soldaten und übernimmst die Verantwortung für ein Team von insgesamt fünf oder sechs Charakteren.

In einem Total War Spiel trägst du die Verantwortung für eine gesamte Zivilisation, ihre Regierung, Handel und Wirtschaft sowie Armeen.

Obwohl beide Spiele in Runden zwischen dir und deinen Gegnern ablaufen, ist das Ausmaß vollkommen unterschiedlich. XCOM ist wesentlich taktischer, mit präziseren Schlachten und kurzfristigeren Entscheidungen. Total War andererseits ist erheblich weitläufiger und konzentriert sich aufs große Ganze. Im Spiel durchläufst du viele Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte.

Aber das ist noch nicht alles. Zwischen TBS und RTS hat es die erste Variante in andere, wesentlich beliebtere Genres geschafft. Man findet Elemente eines TBS in JRPGs, Simulationen und taktischen Shooter-Spielen.

Echtzeit-Strategiespiele

Der Begriff „Echtzeit-Strategie“ wurde von Brett Sperry beim Marketing seines 90er-Jahre Spielehits Dune II geschaffen. Obwohl dieses Spiel nicht wirklich der erste richtige RTS-Titel ist, hat es jedoch den Ton für unzählige Franchise-Versionen angegeben.

Einige der erfolgreichsten und beliebtesten Echtzeit-Strategiespiele wie Command & Conquer, Warcraft und StarCraft sind alle im grundlegenden Design an den Sci-Fi Klassiker aus den frühen 90ern angelehnt.

Am besten versteht man ein typisches RTS-Game, wenn man ans Mittelalter zurückdenkt. In dieser grundlegenden Phase der menschlichen Entwicklung erhoben sich zahlreiche neue Kulturen aus der Asche der klassischen Zivilisationen, häufig mit dem Ziel imperialer Herrschaft.

Wenn man sich vorstellt, wie Frankreich, Deutschland, England, Skandinavien etc. sich zeitgleich und nebeneinander entwickelten und in andere Länder einfielen oder mit ihnen Allianzen schlossen, versteht man die Grundlagen eines Echtzeit-Strategiespiels wie Age of Empires.

Diese Art von Echtzeit-Strategiespiel basiert darauf, dass Spieler ihre Bevölkerung, Siedlungen, Armee und Strategie in Echtzeit entwickeln.

Einheitenbau, Invasionen und alle Entwicklungen zwischen Spielern geschehen in einer einzelnen, kontinuierlichen und ungebrochenen Zeitachse, an die alle anwesenden Spieler gebunden sind.

Das Sammeln von Ressourcen ist ein grundlegender Bestandteil der meisten Echtzeit-Strategiespiele. Häufig ergibt sich daraus ein aggressiver Konkurrenzkampf mit anderen Spielern um die begrenzten Ressourcen in der Spielwelt.

Wie man sich vorstellen kann, wird es ziemlich heiß, wenn auf der gesamten Spielkarte Konflikte ausbrechen und Spieler ihre Armeen im Versuch, die anderen zu vernichten, auf gegnerische Siedlungen hetzen.

Dies erfordert hochgradige Konzentration, Entscheidungsfindung und reflexartige Reaktionen im Vergleich zu rundenbasierter Strategie, bei der Spieler einige Zeit haben, um ihre Handlungen zu planen und durchzuführen.

Strategiespiele auf professionellem Niveau

Was die eSport-Vertretung von Echtzeit- und rundenbasierten Strategietiteln angeht, solltest du wissen, dass RTS-Spiele das Gros des eSport-Marktes für Online-Strategiespiele ausmachen.

Man kann natürlich auch rundenbasierte Online-Strategiespiele als Wettbewerb spielen, doch meistens ist das nicht besonders spannend für ein Live-Publikum. Viele der führenden rundenbasierten Strategiespiele sind nicht besonders gut für das eSport-Genre geeignet. Da die Kampagnen meist sehr langatmig sind, sind sie für Zuschauersportarten eher uninteressant. Sie teilen viele Probleme mit MMO-eSports.

Das bekannteste, auf professionellem Niveau gespielte Spiel mit rundenbasierten Strategie-Elementen ist die Pokémon-Spielereihe. Das aktuellste Release ist nun für Nintendo 3DS verfügbar. Die Pokémon-Videospielwettbewerbe sind innerhalb der USA am beliebtesten.

Vor ein paar Jahren nahm das erste Spiel der Reihe, Pokémon Red, an einem seltsamen Experiment namens Twitch Plays Pokémon teil. Dabei spielten Tausende von Spielern die gleiche Kopie des Spiels gleichzeitig in einem Twitch-Livestream. Nicht gerade Wettbewerbsport, aber dennoch ein beeindruckendes Beispiel für Mehrspieler-Kooperation.

Heutzutage werden Millionen allein für die Verwaltung und den Ablauf des Online-Strategiebereichs von eSports aufgewendet. Das ist noch nicht alles, die Spieler selbst können in größeren Wettbewerben richtig viel Geld verdienen.

StarCrafts aktueller Preispoolhöhe liegt bei 21.765.461,56 $. Das ist die Gesamtsumme, die von Profi-Spielern in dem Zeitraum gewonnen wurde, seit das Spiel als professioneller eSport etabliert wurde.

StarCraft: Begründer und König der eSports

Mit der Erweiterung des StarCraft-Originalhits, StarCraft: Brood War wurde die Grundlage für die gesamte eSport-Szene geschaffen. Die ersten professionell organisierten Wettbewerbe wurden um 2002 in Südkorea durchgeführt.

Dort stiegen die ersten Profi-Gamer-Stars auf und erhielten Sponsoring durch gigantische südkoreanische Unternehmen wie KT, SK Telecom und Samsung.

Auch wenn es für viele überraschend oder sogar verrückt klingt, koreanische StarCraft-Champions werden genauso verehrt wie Profi-Sportler und genießen die gleiche öffentliche Anerkennung.

Die Originalversion von StarCraft war das erste Spiel, das je in den World Cyber Games Wettbewerb aufgenommen wurde und war dort bis 2011 jährlich vertreten, bis es von der Fortsetzung StarCraft 2 abgelöst wurde.

StarCraft 2 setzte die Erfolgssträhne des Originalspiels in der Online-eSports-Welt fort und wurde zu einem der beliebtesten eSport-Online-Strategiespiele. Täglich wird das Spiel von ca. 30.000 Spielern online gespielt. Der Rekord lag im März 2018 bei über 350.000 Spielern, die gleichzeitig spielten.

RTS vs. TBS: Welches ist besser?

Wer gewinnt also den Wettbewerb zwischen RTS und TBS?

Diese Frage ist natürlich vollkommen subjektiv und es gibt keine einzige richtige Antwort. Jeder Strategiespielfan hat andere Präferenzen. Einige lieben epische Kriegskampagnen in rundenbasierten Strategiespielen, andere wiederum leben für die intensiven Überfälle und Action in Echtzeit-Strategiespielen.

Auf jeder Seite finden sich massenweise Hardcore-Fans, welche die Debatte zwischen Echtzeit- und rundenbasiertem Strategiespiel lebendig halten. Dieser Konflikt ist jedoch vollkommen nutzlos und überflüssig. Spieler täten besser daran, die Entwicklung des Strategiegenres allgemein zu unterstützen.

Es hängt ganz davon ab, was man von einem Spiel erwartet. Wenn man sich lieber die Zeit nimmt, alles ordentlich zu planen und eine Strategie auf kontrollierte, ruhige und langsame Art umzusetzen, ist man wahrscheinlich bei rundenbasierten Strategiespielen am besten aufgehoben.

Wenn du Spiele bevorzugst, die realistischer ablaufen und nichts so sehr liebst wie blitzschnelle Entscheidungen und Reaktionen, bist du eher der Typ für Echtzeit-Strategie.

Beide Seiten bieten eine Menge Spaß und du solltest führende Titel aus beiden Genres ausprobieren, um dir ein besseres Bild zu machen.

Zusammenfassung

Egal, ob du ein Neuling in der Strategiespielwelt bist oder ein langjähriger Veteran, du kannst dich darauf verlassen, dass dir stets eine Menge tolles, komplexes Spielmaterial zur Verfügung steht. Unternehmen wie Blizzard, Creative Assembly und Firaxis Games (und natürlich auch wir bei Plarium) feilen ständig daran, dir fantastische, kreative Strategietitel zu liefern.

Wenn du dich bereits umfassend in einem bestimmten Bereich oder Subgenre auskennst, lohnt es sich, mal etwas auszuprobieren, bei dem du eigentlich eher die Nase rümpfst.

Wer auf taktische, rundenbasierte Strategiespiele schwört, sollte einem schnelleren, actionreichen RTS eine Chance geben. Andererseits sollten StarCraft II Profis mal ein rundenbasiertes Spiel wie Total War: Warhammer II ausprobieren.

Das beste ist, das beide Subgenres unbegrenztes Potential bieten. Du kannst das gleiche Spiel immer wieder spielen, mit verschiedenen Rassen, Strategien und Spielstilen.

Und wenn du supergut in diesen Spielen werden willst, um eines Tages ein professioneller eSportler zu werden, solltest du sowieso so viel üben wie möglich und dich über verschiedene Genres und Varianten der Spielindustrie informieren.

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