Ein Molotow-Cocktail voller Spaß: Warum wir Kriegsspiele spielen

19.6.2017
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Keinem von uns gefällt die Idee, wirklich in den Krieg zu ziehen... es sei denn, du bist der Rambo-Typ, der es liebt, seine Wände rot zu streichen, einen Kampfanzug anzuziehen und mit nicht viel mehr als einer Waffe und deinem Köpfchen ins Unbekannte loszuziehen.

Aber wenn das der Fall ist, warum gefallen uns Kriegsspiele dann so sehr? Was zieht uns so magisch daran an, in eine unbekannte neue Welt einzutauchen und uns einer Armee von Bösewichten zu stellen?

In der Realität gibt es eine ganze Menge Gründe dafür. Wir sind jedoch vor allem an den Grundlegenden Gedanken, Gefühlen und Emotionen interessiert, die uns dazu bringen, spielen zu wollen. Bevor wir tief in unsere Psyche abtauchen und uns der Gegenüberstellung mit den Mächten der Dunkelheit stellen, sollten wir jedoch zuerst definieren, was wir mit „Kriegsspielen“ überhaupt meinen.

Die Geschichte der Kriegsspiele

Spiele zum Thema Krieg gibt es bereits seit Jahrhunderten, seit jemand ein Kartendeck zur Hand nahm und das beliebte Kartenspiel „Krieg und Frieden“ erfand (wann genau das war, ist in den Annalen der Geschichte untergegangen). Seitdem geben wir in jedem vorstellbarem Medium vor, uns im Krieg zu befinden, von Karten über Brettspiele bis zu Videospielen. Das erste Videospiel zum Thema Krieg war "Spacewar!" - Ein Weltraum-Kampfspiel, das im Jahr 1962 auf dem PDP-1 Minicomputer entwickelt wurde. Zufälligerweise ist "Spacewar!" auch eines der ersten Videospiele überhaupt, was uns einiges über die menschliche Natur und die Spiele, die uns gefallen, verrät.

Das erste „wahre“ Kriegsspiel wurde jedoch im Februar 1980 entwickelt und hieß „Computer Bismarck“. „Computer Bismarck“ was ein rundenbasiertes Strategiespiel, in dem Spieler in die Rolle der britischen Truppen schlüpfen und gegen das Schlachtschiff Bismarck und andere deutsche Einheiten antreten mussten. Die deutsche Seite wurde von einem anderen Spieler oder einer Computer-KI namens „Otto Von Computer“ kontrolliert.

"Spacewar!" War das erste Kriegsspiel

Wie man auf dem Bild erkennen kann, war „Computer Bismarck“ nicht gerade ein grafisches Meisterwerk... man kann im lilafarbenen Atlantik kaum Großbritannien (rechts) oder Island (oben) ausmachen.

Doch seitdem haben sich Kriegsspiele mit großen Schritten weiterentwickelt und sind zur beliebtesten Art von Videospiel geworden. Das Aufkommen der Ego-Shooter in den 1990ern führte zu Blockbuster-Reihen wie „Call of Duty“, „Battlefield“ und „Wolfenstein“ und half, den Kriegs zum Nr. 1 Thema für Videospiele zu machen. Heute finden wir Kriegsspiele in jedem Genre von Spielen mit einer umfangreichen Storyline bis zu explosiven Militärshootern. Krieg ist ein so beliebtes Thema für Videospiele, dass es sogar ein Spiel mit dem Namen „Darksiders“ gibt, in dem man die Rolle des personifizierten Kriegs spielt.

Es gibt Kriegsspiele in fast jedem Genre, doch es gibt eines, das sich fast ausschließlich auf das Konzept der Kriegsführung konzentriert, und zwar Strategiespiele. Sowohl rundenbasierte Spiele als auch Echtzeit-Strategiespiele haben im Laufe der Zeit Kriegsspiele zu PCs weltweit gebracht, wie zum Beispiel mit Reihen wir „Command & Conquer“, „Total War“ und „WarCraft“. Dies führte schließlich zum Aufstieg der Strategie MMO und MMORPG Spiele. Viele moderne Kriegsspiele lassen sich diesem Genre zuordnen.

Drei Aspekte von Kriegsspielen

Laut einer Abhandlung der Universität von Virginia haben alle Kriegsspiele  die drei folgenden Eigenschaften gemein:

Der Kriegsaspekt: Genau genommen geht es nicht in allen Kriegsspielen um den Krieg. Die Simulation kriegsähnlicher Tätigkeiten, Umgebungen sowie das verwendete Vokabular definieren sie jedoch als Kriegsspiele.

Der Spielaspekt: Nicht alle Kriegssimulationsszenarios lassen sich als „Kriegsspiele“ einordnen, denn manchmal gibt es dabei gar kein Spielelement. Damit ein Spiel wirklich als Kriegsspiel gilt, muss es eine Art von Wettbewerb zwischen zwei Seiten und ein bestimmtes Ziel geben.

Der Simulationsaspekt: Alle Kriegsspiele bereiten den Spieler auf die eine oder andere Weise auf die Konsequenzen des Kriegs vor. Von strategischen Überlegungen bis zu den Bedingungen, in denen man sich in einem Kriegsspiel wiederfinden kann, das Kriegsspiel bildet die Situation mehr oder weniger nach.

Die 3 Aspekte des Krieges

Aber das heißt nicht, dass jedes Kriegsspiel realitätsgetreu sein will. Leute, die zum Beispiel „Throne: Kingdom at War“ mögen, wollen nicht wirklich lernen, wie man ein Schloss erbaut und es vor einer Armee von Eindringlingen schützt. Die drei hier aufgeführten Aspekte bedeuten einfach nur, dass ein Kriegsspiel die Dynamiken des Krieges innerhalb eines bestimmten Szenarios repliziert.

Sehen wir uns mal „Throne: Kingdom at War“ als Beispiel an. In diesem Spiel befindet sich das Königreich Amaria in Not und deine Aufgabe ist es, das Reich unter einer Flagge zu vereinen - deiner Flagge. Der Kriegsaspekt dabei ist die Tatsache, dass in Amaria ein Bürgerkrieg herrscht und gleichzeitig gegen externe Feinde gekämpft werden muss. Der Spielaspekt ist die Tatsache, dass du mobil oder über deinen Browser gegen die Plarium-Community kämpfst und der Simulationsaspekt die Tatsache, dass du dabei die Probleme und Konflikte des Reichs siehst und hörst.

Relativer Erfolg steigert den Konkurrenzkampf

Dies führt uns zu der Frage, was Leuten an dieser Art von Szenario gefällt. Der Grund, warum Leute das Königreich von Amaria verteidigen - neben dem Endziel selbst - besteht in der Herausforderung, den Feind durch strategisches Geschick zu besiegen. Wir Menschen lieben Konkurrenz. Aber warum? Laute einer Studie der Harvard School of Public Health würden beinahe 50 % der Teilnehmer lieber $ 50.000 pro Jahr in einer Welt verdienen, in welcher der Durchschnittslohn $ 25.000 beträgt, als $ 100.000 in einer Welt mit einem Durchschnittsgehalt von $ 200.000. Die Studie bewies ebenfalls, dass Menschen relative Intelligenz gegenüber absoluter Intelligenz vorziehen.

Dies bedeutet, dass vielen von uns das Endergebnis vollkommen egal ist, solange wir besser sind als die Norm. Wenn jeder 100 kg heben kann, würden wir lieber 110 kg heben können als 200 kg, wenn der Durchschnitt 300 kg wäre. Wir wollen einfach besser als unsere Mitmenschen sein - das ist eine grundlegende Eigenschaft des Menschen.

Wir kämpfen ständig um besser zu werden

Wenn du also „Throne: Kingdom at War“ spielst, wo das Ziel darin besteht, andere Spieler durch eine Kombination aus Strategie, Logik und Weitblick zu überlisten, ist es dir ganz egal, wie gut du generell bist. Einfach gesagt: Du willst einfach besser sein als dein Gegenüber.

In anderen Worten wollen wir alle ein großer Fisch in einem kleinen Teich sein. Je weiter du natürlich im Spiel fortschreitest, desto größer wird auch dein Teich. Wirklich geschickte Spieler sorgen jedoch für ein gleichmäßiges Wachstum, um sicher zu stellen, dass sie der Hai unter den Fischen bleiben.

Ein Cocktail aus Hormonen, Gefühlen und strategischen Gedanken

Ein weiterer Grund dafür, dass wir Kriegsspiele mögen - neben der Tatsache, dass sie unsere Logik, Strategie und Vorausplanung auf die Probe stellen - ist dass sie unseren Überlebensinstinkt ansprechen. Wie in diesem Artikel von NPR erwähnt, gibt es zwei Dinge, die eine Situation oder Geschichte interessanter für uns machen: Sex und Gewalt. Laut Professor Douglas Gentile von der Iowa State University führen Kriegsspiele wie „Call of Duty“ dazu, dass ein Cocktail aus Stresshormonen wie Cortisol, Noradrenalin und Testosteron in unseren Blutkreislauf abgegeben wird - die gleichen Hormone, die auch in einer realen Kampfsituation ausgeschüttet würden. In einer realen Situation würde der Körper diese Hormone verwenden, um eine Kampf- oder Flucht-Reaktion auszulösen. Gentil weist jedoch darauf hin, dass sie uns auch antörnen und dazu führen, dass wir ein Spiel spannender finden.

„Wenn man weiß, dass man sicher ist, kann das Gefühl einer Stresssituation großen Spaß bereiten“, erläutert Gentile.

Diese Theorie wird von Megan Zlock von den iStrategyLabs bestätigt. Die bekennende Gamerin erzählte NPR, dass eine Storyline sofort beeindruckender und immersiver wird, wenn ein Gefahrenelement hinzugefügt wird.

„Wenn man eine gute Geschichte erzählen will, muss man einen Konflikt schaffen, und Gewalt ist eine einfache Methode, Konflikte zu schaffen“, so Zlock.

Konflikt ist eine gute Geschichte

Gewalt ist ein stimulierendes Mittel, das, sofern es in der richtigen Situation ausgelöst wird, sehr unterhaltsam sein kann. Das wird in Spielen wie „Call of Duty“, „Halo“, World of Warships“ etc. sehr deutlich. Wenn man darüber hinaus den Wunsch, sein Stresslevel anzuheben, damit kombiniert, dem Körper vorzugaukeln, dass man sich der Gefahr mit seinen Fähigkeiten stellen muss, ergibt dies eine spannende Kombination.

In dieser Situation die Kontrolle über etwas zu haben, erfüllt uns mit einem süchtig machenden Machtgefühl. Kommen dazu noch Stresshormone, ist die Mischung perfekt und wir sind gern bereit, stundenlang zu spielen.

Das ist kurzgefasst der Grund dafür, warum wir Kriegsspiele lieben und warum ein paar Drinks an Plariums Action-Bar dir bei deinen Spielplänen äußerst gut tun.