Wie Videospiele beim Lernen helfen

30.7.2017
Jetzt Spielen

Menschen verbringen 3 Milliarden Stunden mit dem Spielen von Videospielen ...

pro Woche.

Das ist eine Menge Zeit. Doch ist diese Zeit verschwendet oder steckt doch mehr dahinter, als man auf den ersten Blick glauben könnte?

Ich würde letzteres behaupten. Welche Rolle Spiele in unserer Bildung spielen, wird immer offensichtlicher, je mehr Menschen weltweit in ihrer Freizeit bevorzugt Spiele spielen.

Doch bevor wir über Bildung reden, müssen wir verstehen, warum Spiele sich einer so rasant steigender Beliebtheit erfreuen.

Warum sind Videospiele so beliebt?

Werfen wir mit der Hilfe der Wissenschaft einen Blick darauf, warum Menschen wie du und ich es lieben, so viel Zeit vor einem Bildschirm zu verbringen.

Videospiele sprechen sehr viele unserer psychologischen Bedürfnisse an. So sehr, dass Gamification, also die Anwendung von Spielelementen wie das Verdienen von Punkten und Erfolge in Situationen, die nichts mit Spielen zu tun haben, sich mittlerweile zu einer eigenen Wissenschaft mit starkem psychologischem Hintergrund entwickelt hat.

Menschen fühlen sich vor allem aus den folgenden Gründen zu Spielen hingezogen:

  • Sie geben uns ein klar definiertes Ziel. In der echten Welt liegt die Entscheidung, ein Ziel zu verfolgen und welche Ziele wir verfolgen, ganz bei uns. Doch in der Spielwelt müssen wir uns nicht entscheiden - das Spiel sagt uns, wie das Ziel lautet.
  • Sie sprechen das tief sitzende Bedürfnis, sich produktiv zu fühlen, an. Sie erwecken bei uns den Eindruck, dass wir unseren Zielen näher kommen, auch wenn diese Ziele in einer rein digitalen Welt liegen.
  • Sie sorgen dafür, dass unser Gehirn große Mengen an Dopamin ausschüttet, indem sie uns mit Abzeichen, Errungenschaften oder neuer Ausrüstung belohnen, sobald wir ein Ziel erreicht haben.
  • Spiele beginnen in der Regel einfach und werden zunehmend schwerer. Dies vereinfacht es uns, in den sogenannten „Flow“ zu kommen. „Flow“ ist ein Zustand, in dem wir so stark auf eine Aufgabe konzentriert sind, dass die Zeit einfach wie im Flug vergeht.
  • Einige Spiele haben außerdem einen sozialen Aspekt, der Menschen anzieht und sie ans Spiel bindet, damit sie dort Zeit mit ihren neuen Online-Freunden verbringen können.

Was all diese genannten Dinge vereint, ist die einfache Tatsache, dass Spielen Spaß macht. Spiele sind gleichzeitig herausfordernd, lohnenswert und unterhaltsam.

Doch Spiele können auch lehrreich sein.

Kinder mit Spielen unterrichten

Als Hochschulabsolvent und passionierter Spieler kann ich dir etwas Schockierendes verraten:

Schule macht in den seltensten Fällen Spaß.

Ich weiß, eine welterschütternde Information. Doch ich sage dies, weil Schule Spaß machen sollte. Wir lernen am besten, wenn wir vollkommen in einer Sache aufgehen. Wenn es sich nicht nach Lernen, sondern nach Spaß anfühlt. Denk mal darüber nach.

Während des Spielens lernen Kinder ganz natürlich. Wir nutzen Lieder und Tänze, um ihnen das Alphabet beizubringen und witzige Geräusche, damit Kinder lernen, dass die Kuh „Muh“ macht. Wir lassen Kinder mit Kunst spielen und basteln, damit sie die unterschiedlichen Farben und grundlegende physikalische Konzepte kennenlernen und um ihre Hand-Augen-Koordination zu schulen.

Doch irgendwo auf diesem Weg wird Bildung auf einmal belehrend. Dir wird an fünf Tagen die Woche, acht Stunden am Tag etwas erzählt und dann erwartet man, dass diese Informationen während einer Klausur auf dem Papier wiedergegeben werden. Und um das ganze noch schlimmer zu machen, steht man natürlich unter dem Druck, gute Noten zu bekommen. Schaffst du es nicht, bleibst du zurück, während deine Freunde ohne dich weiterkommen.

Kannst du dir vorstellen, welchen Einfluss das auf eine Person haben muss?

Doch ich schweife ab. Wir sind nicht hier, um über die Schwächen und Fehler des Bildungssystems zu reden, sondern über die Rolle von Spielen in der Bildung.

Spiele - mit ihrer spaßigen und fesselnden Natur - können uns viele wichtige Dinge beibringen. Videospiele können uns Mathe, Englisch, Geschichte, Geisteswissenschaften, Physik, die Entwicklung von Problemlösungsstrategien und noch vieles mehr lehren.

Um euch diesen Punkt näher zu bringen, empfehle ich den TED Talk mit Jane McGonigal, in dem sie darüber spricht, wie Spiele die Welt zu einem besseren Ort machen können:

Zusammengefasst hat Jane Spiele geschaffen, um zu beweisen, dass sie Zusammenarbeit unterstützen und beim Aufbau von reellen Kompetenzen helfen können. Sie vertritt die Auffassung, dass Videospiele uns helfen können, globale Probleme wie Hunger, Armut, Klimaveränderungen, Konflikte und Übergewicht zu lösen. Und das aus dem einfachen Grund, dass Spiele es uns einfach machen, uns intensiv auf sehr komplexe und herausfordernde Probleme zu konzentrieren.

Außerdem sind Videospiele - und Spiele allgemein - wie dafür gemacht, uns Lösungen für all die Probleme aufzuzeigen, auf die wir stoßen, wenn wir höhere Bildungswege anstreben oder unsere ersten Schritte auf dem Arbeitsmarkt machen.

Das Bildungssystem, in dem wir aufwuchsen, soll Menschen zu Arbeitern ausbilden, die für einen Großteil ihres Lebens bei ein und dem selben Arbeitgeber arbeiten und dann in Rente gehen. Doch so einfach ist es schon lange nicht mehr.

Es wird geschätzt, dass der durchschnittliche Amerikanische Arbeitnehmer bis zu seinem 45. Lebensjahr 10 unterschiedliche Arbeitsstellen hatte und ich gehe davon aus, dass diese Zahl sogar noch ansteigen wird in Anbetracht der vielen verschiedenen neuen Berufe, die entstehen werden und aufgrund der Tatsache, dass immer mehr Menschen sich ernsthaft fragen, was sie in ihrem Leben erreichen wollen.

Zusätzlich wird es dank der Fortschritte in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Robotik und Technologie in Zukunft vollkommen neuartige Berufe geben, während alte Berufszweige aussterben und neue Herausforderungen entstehen. Videospiele mit ihrer fesselnden und komplexen Natur können zukünftigen Generationen beibringen, wie man in einem Beruf Erfolg hat, in dem es darauf ankommt, mit und an den Robotern der Zukunft zu arbeiten.

Jetzt verstehst du, wie Videospiele als Bildungswerkzeug funktionieren. Doch wie können sie uns in der echten Welt helfen? Schauen wir uns einige Beispiele an, in denen Videospiele bereits in der Bildung eingesetzt werden.

Wie Videospiele in der Bildung eingesetzt werden

Ich beginne mit einem Spiel, das fast jeder kennt: Minecraft.

Minecraft ist ein Spiel, in dem der Spieler die Welt um ihn herum aufbaut und beeinflusst, indem er Ressourcen abbaut, sie kombiniert und neu platziert. Die Welt ist auf quadratischen Rastern aufgebaut, es benötigt also einiges an Vorausplanung und grundlegende Mathematik, um imposante Bauten zu schaffen.

Das Spiel wird schon seit einiger Zeit in Klassenräumen eingesetzt, um Programmieren und Mathematik zu lehren sowie um die Zusammenarbeit zu stärken. Vor Kurzem jedoch wurde die Idee noch verfeinert. Im Jahr 2016 entwickelte Mojang gemeinsam mit Microsoft eine Minecraft-Version speziell für den Einsatz in Schulen: Die Minecraft Education Edition.

Diese Version enthielt einige Modifikationen, die das Programmieren lernen und die Zusammenarbeit mit Klassenkameraden vereinfachen sollten. Wirklich erstaunlich ist jedoch der Preis - diese Version von Minecraft kostet lediglich 5 $ pro Schüler und Jahr. Außerdem erhalten Schulen das erste Jahr kostenlos, wenn sie ihre Systeme auf Windows 10 aufrüsten. Dies macht es erschwinglich und einfach zu nutzen - ein wichtiger Punkt für jene, die für das Budget der Schule verantwortlich sind.

Hier ist ein schnelles 2-minütiges Vorstellungsvideo, falls es dich interessiert, wie diese neue Version von Minecraft funktioniert:

Doch Minecraft ist nicht das einzige Spiel, das sich der Bildung widmet. Es gibt noch weitere, wie zum Beispiel SimCityEdu, welches Schülern Fähigkeiten näher bringt, die für das Leben im 21. Jahrhundert wichtig sind. Ein kürzliches Update für SimCity fügte unter anderem die „Pollution Challenge“ hinzu, in der man mehr über Wissenschaft und ihre komplexe Beziehung zur Umwelt erfährt.

Des Weiteren lernt man im Spiel einiges über die Planung von Städten, Verwaltung von Ressourcen und noch viele andere Dinge. Noch aufregender sind aber die sich entwickelnden Rollenspiele im Bildungssektor...

Es gibt ganze Schulen, die auf dem Konzept aufbauen, Videospiele als Grundlage für den Unterricht zu nutzen.

Gamification des Klassenzimmers

Die gemeinnützige Organisation „Institute of Play“ wurde im Jahr 2007 von einer Gruppe von Spielentwicklern in New York City gegründet. Sie entwickeln Schulen, Lehrprogramme für Pädagogen, Lehrpläne und sogar Firmenseminare - alles mit dem Ziel, eine Lernerfahrung zu schaffen, die ihre Wurzeln in den Prinzipien der Spielentwicklung hat.

Sie nutzen nicht nur Videospiele, sondern alle Arten von Spielen. Sie nennen diese Schulen ihre „Quest to Learn“.

Es gibt sogar noch bessere Nachrichten: Das „Institute of Play“ ist nicht die einzige Organisation, die Spiele für Bildungszwecke nutzt. „Codecademy“ nutzt Gamification, um Schülern das Programmieren näher zu bringen. Und es gibt noch andere. „Duolingo“ wendet die gleichen Prinzipien an, um Sprachen zu lehren.

Ein letztes Beispiel: Videospiele haben das Potential, zukünftige Chirurgen auszubilden.

Roboterchirurgie beschreibt die Praxis, Roboter und Maschinen zur Unterstützung von Chirurgen bei komplexen Aufgaben, wie die Entfernung eines Tumors aus dem Gehirn, einzusetzen. Wie du dir sicher vorstellen kannst, erfordert diese Aufgabe eine hohe Präzision und extrem gute Hand-Augen-Koordination sowie natürlich eine ruhige Hand und Nerven aus Stahl.

Laut einer Studie von Kilic und anderen der Medizinischen Fakultät bei Galveston an der Universität von Texas könnte das Schießen im Laufen auf einen anderen Charakter in einem First-Person-Shooter der nächsten Generation Chirurgen tatsächlich dabei helfen, in der echten Welt Leben zu retten.

Die Steuerung der Roboterchirurgie erfordert ähnlich wie Videospiele beide Hände und verlangt vom Anwender, dass er seine Handlungen auf einem Bildschirm beobachtet. Chirurgen wird an Simulatoren die Nutzung dieser Maschinen beigebracht.

Eine weitere Studie im Jahr 2007 fand außerdem heraus, dass das Spielen von Videospielen direkt vor einem chirurgischen Eingriff die Fähigkeiten des Arztes verbesserten. Es scheint, als würde es wirklich funktionieren.

Also warum sind Spiele noch immer nicht weiträumig akzeptiert?

Rückschläge und Hindernisse für Spiele in der Bildung

Alles, worüber wir bis jetzt gesprochen haben, lässt es so aussehen, als wären Spiele der nächste logische Schritt beim Thema Bildung. Es scheint, als könnten sie viele Fehler im System beseitigen... doch das ist nur die eine Seite.

Ein großes Problem bei der Nutzung von Spielen zur Unterstützung des Lernprozesses ist der schiere Mangel an Erkenntnissen. Es gibt einfach (noch) nicht genug überzeugende Studien, um die Vorteile nachzuweisen.

„Trotz all des Enthusiasmus, der Spiele in der Bildung umgibt, haben nur wenige Studien untersucht, ob Videospiele die Leistung im Klassenzimmer und die Akademische Laufbahn wirklich verbessern“, sagt Emma Blakey, Doktorandin in Entwicklungspsychologie an der Universität Sheffield in England.

„Da wir wissen, dass die Merkfähigkeit eine wichtige kognitive Fähigkeit zum erfolgreichen Lernen in der Schule ist, sollte die Übung mit Spielen, welche die Merkfähigkeit herausfordern in der Theorie zu Verbesserungen im Klassenraum und der akademischen Fähigkeiten führen“, so ihre Aussage. „Doch nur weitere Forschung kann bestätigen, ob diese Idee sich auch bewahrheitet.“

Außerdem muss auch bedacht werden, dass viele Lehrer umfassende Fortbildungen benötigen würden, um mit diesen neuen Konzepten arbeiten zu können. Und wenn du je versucht hast, deinen Großeltern die Nutzung eines Smartphones beizubringen, kennst du die Schwierigkeiten, auf die man stößt, wenn man jemandem etwas Neues zeigen will, der die Dinge für lange Zeit auf ein und die selbe Weise gemacht hat.

„Digitale Spiele können nicht einfach als die nächste schnelle Reparaturmethode für unser Bildungssystem gehandelt werden“, sagt Brian Waniewski, der frühere Geschäftsführer des „Institute of Play“. „Sie können wie ein Geschenk des Himmels aussehen, ein digitales Lehrbuch der nächsten Generation, das den Bedarf an Personal noch weiter reduziert“, stellt er fest. „Doch Spiele allein werden Schulen weder effizienter machen, noch können sie Lehrer ersetzen. Auch sind sie keine Bildungsressource, mit der eine unendliche Anzahl an Schülern erreicht werden kann.“

Außerdem gibt es da noch das Kostenproblem. Videospiele benötigen teure Werkzeuge, wie zum Beispiel Tablets, Computer, Zugang zu einem starken W-LAN-Netzwerk und natürlich muss man auch die Kosten der Spiele an sich berücksichtigen. Bezahlbare Spiele wie die Minecraft Education Edition, gemeinsam mit niedrigeren Kosten für die nötigen Technologien helfen dabei, das Problem einzudämmen - beheben wird es dies jedoch nicht.

Außerdem wird oft argumentiert, das Spiele eine Ablenkung darstellen. Das ist ein durchaus stichhaltiges Argument - Spiele können einen stark ablenken, wenn man den Schülern erlaubt, unkontrolliert zu spielen. Doch dieses Problem hängt damit zusammen, den Lehrplan richtig zu gestalten und den Lehrern das nötige Wissen zu vermitteln. Mit der richtigen Anleitung können zumindest diese Bedenken beseitigt werden.

Zusammenfassung

Spiele spielen in der Bildung eine große Rolle, welche in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen wird. Da ich die Schule beendet habe, bevor Spiele überhaupt als Möglichkeit zum Unterrichten von Schülern in Betracht gezogen wurden, bin ich etwas traurig darüber, dass es diese Studien und Bemühungen nicht früher gab.

Die Zukunft der Kinder, die jetzt zur Schule gehen und die der zukünftigen Generationen sieht jedoch vielversprechend aus. Videospiele wie die Minecraft Education Edition und SimCityEdu bereiten den Weg für ein neues Genre an Bildungsspielen. Die Förderung durch große Firmen wie Microsoft zusammen mit einer allgemeinen Akzeptanz der Idee, Spiele im Klassenzimmer zu verwenden, versprechen eine aufregende Zukunft.

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir in den kommenden Jahren große Innovationen im Bereich der Bildungsspiele sehen werden und ich freue mich darauf, zu sehen, wie die Dinge sich im Licht neuer Studien entwickeln werden.

Und im Zweifelsfall können MMOs dir wenigstens beibringen, wie man in einer postapokalyptischen Welt überlebt.

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