Sind Smartphones die nächste Spielkonsole?

10.12.2017

Ist es sinnvoll, ein spezielles Smartphone für Gamer zu entwickeln? Razer, ein Unternehmen, dass bekannt für seine Gaming-Computer und Peripheriegeräte ist, beantwortet diese Frage mit einem „Ja“.

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass dieses Gaming-Handy echt cool aussieht. Razer nennt es selbst sogar den „wahr gewordenen Traum aller Gamer“.

Aber brauchen wir wirklich ein „Gaming-Handy“?

Was ist das Razer Phone?

Du fragst dich nun sicherlich, wodurch sich das Razer Phone von einem normalen Smartphone unterscheidet.

Das Razer Phone verfügt über einen 5.7 Zoll 1440p Bildschirm, hat 64 GB erweiterbaren Speicherplatz und beeindruckende 8 GB RAM. Kombiniert mit der 4.000 mAh Batterie bedeutet das, dass du stundenlang im Spielehimmel schwelgen kannst.

Außerdem bietet das Handy ein duales 12-Megapixel-Kamerasystem mit jeweils einem Weitwinkelobjektiv und 2-fachem optischen Zoom. Dieser Aspekt ist ziemlich schick, auch wenn er Gamern wahrscheinlich nicht so wichtig ist.

Außerdem bietet das Razer Phone ein einzigartiges, integriertes Lautsprechersystem. Diese von vorn feuernden Lautsprecher und dualen Verstärker verfügen über Dolby ATMOS. Mal ganz abgesehen davon, dass THX in Kombination mit Bluetooth-Lautsprechern fantastische Soundqualität für deine Unterhaltung garantiert.

Es gibt jedoch auch einige Nachteile. Einerseits hat das Razer Phone keinen Kopfhöreranschluss. Das Tonsystem des Handys läuft also zu 100 % über Bluetooth. Bluetooth ist ja auch klasse, aber dir werden einige Probleme auffallen, wenn du Bluetooth zu lange aktiviert hast:

  • Starker Batterieverbrauch
  • Langsame Datenverbindung
  • Sicherheitsprobleme

Der fehlende Kopfhöreranschluss bedeutet auch, dass das Handy mit den meisten Gaming-Headsets, die viele Pro-Gamer tragen, um Hintergrundgeräusche auszublenden und das Gameplay-Erlebnis zu verbessern, nicht kompatibel ist.

Beim Bau des ersten revolutionären „Gaming-Handys“ hätte Razer eigentlich an so eine Selbstverständlichkeit wie einen Kopfhöreranschluss denken sollen. Versteht das nicht falsch, das ins Handy eingebaute Soundsystem ist unglaublich, aber fürs Gaming scheint es nicht gemacht zu sein. Man kann natürlich Bluetooth-Kopfhörer verwenden, aber sie sind nicht gerade die beste Option auf dem Markt.

Außerdem ist das Razer Phone nicht wasserfest, nicht HDMI-kompatibel, die Batterie kann nicht entnommen werden und eine duale SIM-Funktion gibt es auch nicht.

Da man heutzutage Spiele auf so ziemlich jedem aktuellen Handy spielen kann, fragt man sich, ob das Razer Phone nur zum Angeben (und Steigerung der Markenbeliebtheit) gebaut wurde. Andererseits hat Razer einige echt tolle Produkte auf den Markt gebracht, die wir uns nie hätten vorstellen können, wie den Laptop mit den drei Bildschirmen, der als “Project Valerie” bekannt ist.

Aber schlussendlich muss man sich fragen: Warum?

Braucht man ein Gaming-Handy überhaupt?

Seit 2011 hat sich mobiles Gaming um fast 40 % gesteigert. Tatsächlich spielten im Jahr 2016 fast 56 % der gesamten US-Bevölkerung mobile Spiele.

Allein an diesen Werten können wir erkennen, dass Mobilspiele ein ernst zu nehmender Markt sind, der immer größer wird.

Denken wir nur ins Jahr 2000 zurück. Wenn du damals ein Handy hattest, hast du sicher jeden Tag „Snake“ gespielt. Das Ziel dieses Spiels war ziemlich einfach. Man musst die Schlange um den Bildschirm manövrieren, um die Maus zu „essen“ und gleichzeitig vermeiden, die Wände oder andere Teile der Schlange zu berühren.

Das erste Mobilspiel, dass einen wirklichen Unterschied für die Industrie gemacht hat, war „Angry Birds“ (das 2009 auf den Markt kam). Davon abgesehen, dass es kostenlos war!

2015 änderte Samsung die Spiellandschaft durch virtuelle Realität und die Veröffentlichung des Gear VR. Damit wurde es möglich, eine virtuelle 3D-Umgebung ganz nah zu erleben. Das einzige, was diesem VR-Headset fehlt, ist die Möglichkeit, sich frei zu bewegen, wie es einige fortschrittlichere PC-Headsets erlauben.

Im Jahr 2016 explodierte dann plötzlich das Angebot an Spielen mit erweiterter Realität. Als Pokémon Go veröffentlicht wurde, verließen Millionen von Gamern ihr Zuhause, um ihr Lieblingspokémon zu fangen. Einige reisten sogar ins Ausland, um sie alle zu finden!

Pokémon Go Entwickler Niantic Labs war so erfolgreich mit der ersten Augmented Reality App, dass sie sich mit Warner Bros. und J.K. Rowling zusammentaten, um Harry Potter: Wizard’s Unite zu schaffen.

Aber zurück zu unserer ursprünglichen Frage – brauchen wir ein Gaming-Handy?

Wenn wir uns überlegen, was sich bisher entwickelt hat, lautet die Antwort wohl: Anscheinend schon. Wenn wir wollen, dass auch „Hardcore-Gamer“ mehr Interesse an Mobilspielen zeigen, brauchen wir Hardware, die solide genug ist, um auch mit den besten Spielen der Industrie fertig zu werden.

Wenn man Smartphone-Entwicklern keinen Anreiz gibt, Innovationen zu entwickeln und Handys leistungsfähiger zu machen, wird das jedoch nie passieren. Sollte das Interesse an Mobilspielen jedoch intensiver werden, auch angetrieben durch Pionier-Technologie wie das Razer-Handy, werden Unternehmen einen Grund haben, mehr in die Entwicklung eines wahren Gaming-Handys zu investieren.

Das führt zu einer weiteren wichtigen Frage...

Können Handys überhaupt zur ultimativen Gaming-Plattform werden?

Wenn man genauer nachdenkt, gab es „mobile“ Spiele eigentlich schon immer. Der einzige Unterschied besteht darin, dass wir statt unserem Handy den Gameboy, die Sony PSP oder das Nintendo DS genutzt haben.

Dank Android- und iOS-Entwicklern müssen wir nun keine Spielkassette mehr einschieben, wenn wir spielen wollen. Wir müssen nur das Symbol des Spiels antippen, das wir spielen wollen, und voilà! Spielbereit auf Knopfdruck.

Es hat auch immer schon eine Verbindung zwischen PC-, Konsolen- und Mobilspielen gegeben. Touchscreens bieten nicht das gleiche physische Feedback, das Spieler von einem Controller (oder einer Tastatur) mit echten Tasten erhalten, was genaue Bewegungen etwas unbeholfen macht.

Andererseits gibt es auch einige Mobilspielentwickler, denen es gelungen ist, diese Herausforderung zu überwinden und Spiele mit großem Suchtfaktor zu entwickeln.

Handy vs. Handheld

Als Nintendo im Jahr 2006 die Wii auf den Markt brachte, brach der Verkauf sämtliche Rekorde. Die Konsole brachte mehr als 101 Millionen US-Dollar ein, mehr als jede andere Konsole zuvor.

Nach der Wii brachen die Umsätze von Nintendo jedoch rapide ein. Im Jahr 2012 machte das Unternehmen mit dem brandneuen WiiU-System weniger Umsatz als mit allen vorherigen Systemen.

2017 gelang es dem Unternehmen, diese Flaute mit der ersten Hybrid-Spielkonsole, der Nintendo Switch, zu überwinden.

Seit seiner Einführung im März wurden mehr als 4,7 Millionen Nintendo Switch verkauft (sowie 13,6 Millionen Spiele). Die Nachfrage war sogar so groß, dass Nintendo nicht in der Lage war, genug Switch-Konsolen in die Regale zu bringen.

Seit dem 3. März 2017 ist Nintendos Aktienwert um fast 60 % angestiegen, mit einem weiterhin aufstrebenden Trend angesichts der neuen Spiele, welche für die Switch entwickelt werden.

Es ist sicherlich interessant, doch die Switch ist trotzdem kein Handy. Also zurück zur Frage: Können Mobilspiele und Smartphone-Spiele nebeneinander bestehen? Oder wird eine Variante die andere überholen?

Ganz ehrlich? Niemand kann das sagen.

Die Switch ist eine fantastische Konsole, die zwei der weltweit beliebtesten Franchises (Zelda und Mario) zu bieten hat - zu einer wichtigen Plattform für Hardcore-Gamer hat sie sich jedoch nicht entwickelt. Außerdem haben unglaublich viele Leute, Gamer wie auch Nicht-Gamer, heute ein Smartphone.

Aus diesem Grund glauben wir, dass es speziellen Gaming-Smartphones gelingen kann, die Konkurrenz vom Markt zu drängen und sich zu etablieren. Insbesondere, wenn passendes Spielzubehör, vor allem mobile Controller, entwickelt wird.

Und dann gibt es noch einen Aspekt dieser Geschichte...

Mobile eSports

Wenn mobile Spiele „ernst genommen“ werden sollen, muss sich die Perspektive darauf, was sie eigentlich sind, ändern.

Traditionell sind mobile Spiele einfach etwas, was man spielt, um sich die Zeit zu vertreiben, kein ernsthaftes Hobby.

Ich möchte jedoch behaupten, dass mobile eSports beliebter werden müssten, um die öffentliche Meinung zu Mobilspielen zu verändern.

Zum Beispiel bietet das nur als Mobilversion verfügbare Spiel „Mad Skills Motocross 2“ seit 2016 auf Fähigkeiten basierte Preise an. Durch dieses Angebot können Spieler Geld im Wettbewerb gegen andere Spieler verdienen. Nach nur zehn Monaten wurden insgesamt 900.000 US-Dollar in Preisgeldern vergeben. Einige der Spitzenspieler verdienten bis zu 6.000 US-Dollar im Monat. Noch überraschender ist es, dass es sich dabei nicht um typische „Profi“-Spieler handelt.

Die Top-Spieler von Mad Skills Motocross spielen meist nur 2 - 3 Stunden täglich. „Pro-Level“ PC-Gamer hingegen verbringen fast 8 - 10 Stunden pro Tag damit, sich ihren Pro-Status zu sichern.

Je beliebter mobile eSports also werden, desto mehr Zeit werden Spieler darin investieren und umso ernster werden sie genommen.

Was hält die Mobilspielwelt zurück?

Seit vielen Jahren stehen Mobilspiele kurz davor, sich zur Standardplattform vieler Spielentwickler zu entwickeln. Man muss sich also fragen: „Was hält sie davon ab?“

Einige Zeit lang sorgten sich Entwickler darum, dass Mobilspiele nicht genug Umsatz bringen würden. Doch seit 2017 holen Mobilspiele auf und machen mehr Umsatz als PC- und Konsolenspiele.

Diese Daten weisen darauf hin, dass Mobilspiele die Zukunft des Gamings werden können.

Ein weiteres Problem mit Mobilspielen besteht in den geistigen Eigentumsrechten, und darin, wie einfach es ist, Kopien erfolgreicher Spiele anzufertigen.

Ein Beispiel dafür ist das sehr beliebte Spiel Flappy Bird, das einen echten Suchtfaktor hat. Nach dem Release von Flappy Bird schufen Tausende von Konkurrenten „Klone“ des Spiels in dem Versuch, ein Stückchen vom Erfolg abzubekommen.

In einigen Fällen wurden die Flappy Bird Nachmachen beliebter als das Originalspiel (schon mal von Flappy Bieber gehört?). Das führte wiederum dazu, dass die Entwickler das ursprüngliche Flappy Bird vom Markt nahmen.

Auch Werbung ist bei Mobilspielen ein wichtiger Aspekt. Google Play wirbt oft für „Top“-Spiele, also solche mit hohen Bewertungen, statt Nutzern neue Spiele vorzustellen. Generell sind die meisten Nutzer eher bereit, ein neues Spiel zu probieren, wenn es kostenlos ist, was diese Spiele wiederum beliebt macht.

Spiele wie Hearthstone jedoch werden von bekannten Unternehmen mit riesigen Budgets beworben und können täglich über ihren Twitter-Feed, Facebook und sogar das Schwesterspiel World of Warcraft die Werbetrommel rühren.

Schlussendlich ist der Markt für Mobilspiele einfach übersättigt. Man hat hunderttausende von Spielen zur Auswahl und jeden Monat kommen viele hundert weitere dazu.

Es ist schwer, sich auf ein Spiel einzulassen, wenn am gleichen Tag ein anderes auf den Markt kommt, insbesondere, wenn dieses verspricht, größer und besser als alle vorherigen zu sein.

Zusammenfassung

Insgesamt ist die Welt der Mobilspiele tatsächlich „größer und besser als je zuvor“.

Mobilspiele bringen nicht nur mehr Geld ein als alle anderen Spielplattformen und Innovationen im Bereich Mobiltechnologie, sie verändern auch die öffentliche Meinung und entwickeln sich zu einer ernstzunehmenden Spielkategorie.

Aber braucht man wirklich „Gaming-Handys“? Könnten Smartphones sich zu einer neuen speziellen Spielkonsole entwickeln?

Naja, das hängt davon ab, wie viel Leistung wir für die neusten, besten Spiele brauchen. Wenn zwischen beidem eine Lücke besteht (wie es derzeit der Fall ist), müssen wir uns ernsthaft überlegen, ob spezifische Smartphones mit genug Power für Gamer nicht doch Sinn ergeben.

Angesichts der Tatsache, dass die Mobilspielbranche derzeit der lukrativste Bereich des Industrie ist, und fast jeder ein Handy hat, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass das Razer Phone nicht das letzte „Gaming-Handy“ auf dem Markt ist.

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