Erfahre über die Schwarzmarktmethoden, die MMOs ausnutzen

17.10.2017

Im Internet sind alle Fehler und Sicherheitsbedrohungen in Verbindung mit Informationstechnologie gebündelt. Heutzutage sind Nachrichtenmeldungen zu neuen Bedrohungen, gehackten Fernsehshows und sogar Regierungsinstitutionen zum Alltag geworden. Es wäre falsch, anzunehmen, dass Online-Games davon nicht betroffen sind.

Ganz im Gegenteil: Es gibt eine eigene Randgruppe, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Online-Spiele auszunutzen. Dieses Phänomen existiert bereits seit langer Zeit und findet sich vor allem in der Welt der MMORPGs. Seit den Sternstunden von Spielen wie RuneScape oder World of Warcraft finden einzelne Personen oder sogar Unternehmen Wege, Geld mit den Spielen zu machen, oft sogar zulasten der Spieler.

Genau wie die MMOs, von denen sie abhängig sind, entwickeln sich diese Schwarzmärkte ständig weiter und passen sich an.

Die Anfänge der MMO-Schwarzmärkte

Der Begriff „Schwarzmarkt“ hat immer eine negative Konnotation. Man kann sich kaum vorstellen, dass die Leute, die daran teilhaben, moralisch einwandfrei oder vertrauenswürdig sind. Doch diese Annahme ist nicht ganz richtig. Lass uns zum Ursprung dieses Phänomens zurückgehen, um zu erklären, was ich meine.

Es ist beinahe unmöglich, zu bestimmen, wer zuerst zu der Erkenntnis kam, dass andere Spieler richtig viel Geld für einen Gegenstand hinlegen würden. Eines ist klar - dieser Punkt blieb nicht unbemerkt.

Sobald MMORPGs in den Mainstream durchbrachen und der Traffic sich erhöhte, entstand ein neues Bedürfnis: Seltene Spielgegenstände zu erhalten, ohne viel Zeit dafür zu opfern. Vielleicht haben der Mangel an Mikrotransaktionen und die stetige Überwachung einen Beitrag dazu geleistet, dass reales Geld Teil des Tauschsystems wurde. Dennoch ist Gold bzw. jede
„harte“ Spielwährung zum einem Produkt geworden.

Goldfarming für Dummies

Das Konzept ist einfach: Spieler, die das spielinterne Gold über den Schwarzmarkt verkaufen wollen, müssen eine ganze Menge davon haben. Im Jahr 2003 stand der Kurs für 1 Million Goldmünzen aus RuneScape 2 zum Beispiel bei 5 - 8 USD.

Verkäufer mussten gewitzt sein, um so schnell wie möglich an Millionen von Goldmünzen zu kommen. Sie begannen, Ressourcen zu identifizieren, die relativ schwer erhältlich waren. Daraufhin schrieben sie Scripts für automatisierte Spielerkonten, deren einzige Aufgabe darin bestand, so viele dieser Ressourcen wie möglich zu sammeln.

In den ersten MMOs gab es manchmal keine reale Grenze dafür, wie viele dieser Ressourcen man erbeuten oder tragen konnte - daher war es eine praktische Lösung. Selbst heute ist dieses Verfahren in vielen MMOs noch immer gewinnträchtig. Es wurde jedoch so üblich, dass Entwickler begannen, Spieler vor den Gefahren des Kaufs von Gold von Goldfarmern zu warnen.

Für viele Goldfarmer war dies eine einfache Methode, um Geld zu verdienen. Es war also keine große Überraschung, dass sie schnell einfachere, lukrativere Alternativen fanden. Auch wenn diese Alternativen illegal und manchmal sehr schädlich waren.

Phishing

Warum sollte man Stunden damit zubringen, wertvolle Ressourcen zu farmen oder Tausende von Bots zu programmieren, wann man sich einfach in die Konten anderer Spieler einhacken und ihre Ressourcen stehlen kann? Genau diese Logik wurde von skrupellosen Unternehmen und Schwarzmarktbetreibern angewendet. Es ist genau dieses Prinzip, dass dem Schwarzmarkt seinen schlechten Ruf einbrachte.

Schon im Jahr 2005 begannen einige Webseiten, Spielern Hilfe bei der Entwicklung ihrer Spielkonten anzubieten. Die Spieler mussten dazu einfach die Login-Daten ihrer Konten preisgeben. Es war nur wenig überraschend, dass Spielern, die Ihren Nutzernamen und Ihr Passwort an diese Webseiten sendeten, der Account gestohlen wurde. Die gestohlenen Accounts wurden daraufhin weiterverkauft oder ihrer Ressourcen entledigt.

Diese Art des Hackings ist am beliebtesten, doch auch am einfachsten vermeidbar. Um sich zu schützen gibt man einfach seine Login-Daten niemals über das Internet preis. Es ist ebenfalls ratsam, keine Drittpartei-Software zu verwenden, die nicht von den Spielentwicklern zugelassen wurde. Ein solches Programm kann durchaus deine Ressourceneinnahmen steigern, doch es hält die Betreiber auch nichts davon ab, deine Login-Daten zu stehlen.

Hacken und plündern

Doch Phishing ist nicht die einzige Methode, die Möchtegernhacker nutzen. Einige nutzen viel einfachere oder drastische Methoden. Manchmal ist die einfachste Methode, Millionen von Goldmünzen zu erhalten, die man gegen echtes Geld verkaufen kann, sie sich einfach selbst zu schaffen.

Einige Spieler konnten Wege finden, die seltensten Spielressourcen zu erstellen, indem sie den Spielcode manipulierten. In einigen Fällen geht es dabei darum, viel Geld zu verdienen, doch manchmal kann man auch seltene Gegenstände oder sogar spielinterne Gebäude erstellen. Davon berichtete jedenfalls MANFRED, ein Hacker, der sich auf MMOs spezialisiert hat während der DEF-CON Conference im Juli 2017.

Er erklärte zu diesem Anlass einige einfache Methoden, mit denen er seine zweifelhaften Ziele erreichte. MANFRED entdeckte zum Beispiel, dass er in Ultima Online die Häuser anderer Spieler stehlen konnte. Er begann dann, diese Häuser für durchschnittlich 2.000 US-Dollar auf eBay zu verkaufen. Über mehr als 20 Jahre hinweg gelang es ihm, ein kleines Vermögen anzusammeln, indem er die Schwachstellen im Code einiger beliebter MMO-Spiele ausnutzte.

Schwarzmärkte in beliebten MMOs

World of Warcraft

WoW ist bei weitem nicht das erste MMO, das an einer Parellelwirtschaft leidet. Doch es ist seit langer Zeit eines der beliebtesten Onlinespiele. Daher ist es nicht überraschend, dass auch sein Schwarzmarkt eine Menge Aufmerksamkeit erhält.

Vielleicht erinnern sich einige von euch an die Dokumentationen über die chinesischen Unternehmen, welche die WoW-Server stürmten, um sich Gold unter die Nägel zu reißen? Wenn nicht, suche auf Google oder YouTube nach „Gold Farming in WoW“, um dir das Ausmaß dieses Problems bewusst zu machen. Überraschender hingegen ist es, dass diese Unsitte nicht nur auf Spieler oder Unternehmen beschränkt ist. Manchmal werden Gefangene gegen ihren Willen dazu gezwungen, zu spielen, manchmal auch unter unmenschlichen Bedingungen.

Counter Strike

Counter Strike ist zwar kein MMO im üblichen Sinne, doch es hatte als eines der ersten Online-Spiele eine riesige Parallelwirtschaft. Dieser Zweig ist wesentlich aggressiver als in anderen Online-Spielen, und alles scheint erlaubt zu sein. Man kann auf Spiele wetten, benutzerdefinierte Ausrüstung kaufen und es gibt sogar vollkommen illegale Online-Casinos.

Valve, das Entwicklerunternehmen, versucht gegen dieses Phänomen vorzugehen, indem es alle bestraft, die es auf frischer Tat ertappt. Leider lohnt sich dieses Strategie nicht immer. In einem gewissen Rahmen hilft die Parellelwelt von Counter Strike Global Offensive sogar, das Spiel noch beliebter zu machen und den Entwicklern mehr Geld einzubringen. Einige weisen sogar den Entwicklern die Schuld zu, da sie zulassen, dass dies weiterhin besteht.

Entropia Universe

Dieses MMO befindet sich am anderen Ende des Schwarzmarktspektrums. In einem Versuch, die Entwicklung eines Schwarzmarkts zu verhindern, versuchten die Spielentwickler, ihr eigenes System zur Währungsumrechnung einzuführen. Spieler können reales Geld investieren, um ihren Charakter und Account zu erweitern, Gegenstände im Spiel verkaufen und ihr „Gold“ (hier „PED“ genannt) in US-Dollar umwandeln. Dieses Ansatz ist sehr kreativ und hat sich seit der Spieleinführung im Jahr 2003 als solides Geschäftsmodell erwiesen.

Doch diese integrierte Umrechnungsfunktion führte dazu, dass Entropia Universe Accounts sehr attraktiv für Informationshacker sind. Insbesondere, wenn man sich bewusst macht, dass das Spiel ins Guinness-Buch der Weltrekorde aufgenommen wurde, nachdem eine Weltraumstation für 330.000 USD verkauft wurde.

Ist das überhaupt legal?

Natürlich kommt dabei die Frage auf, ob das Ganze überhaupt legal ist. Sind diese Schwarzmarktpraktiken nicht gegen das Gesetz? Oder verstoßen sie nicht zumindest gegen die Nutzungsbedingungen der MMOs? Meistens interessieren sich die Gesetzgeber nur wenig für die Wirtschaftssysteme von MMO-Spielen. Die Ausnahme sind Glücksspiele, insbesondere, wenn Minderjährige daran teilnehmen.

Goldfarming oder der Wiederverkauf von Spielaccounts ist streng genommen also nicht illegal. Entwickler sind in der Regel aber gegen dieses Praktiken, da sie sich vor gerichtlichen Schritten fürchten. Tatsächlich sind die Entwickler sofort involviert, wenn zwei Parteien, die an einer Schwarzmarkttransaktion beteiligt waren, vor Gericht gehen, da das MMO das finanzielle Mittel dafür darstellt.

Theoretisch gesehen müssten alle Transaktionen über die Entwickler abgewickelt werden, um zu Transaktionen mit realem Geld zu vermeiden. Auf diese Weise hätten Spieler keinen Einfluss auf Angebot und Nachfrage. Das wäre schade und würde das Spiel weniger interessant und authentisch machen. Eine solche Entscheidung könnte Spieler dazu bringen, weniger Zeit mit dem Spiel zu verbringen oder das MMO sogar komplett aufzugeben.

Nur wenige kennen sich mit diesem Thema besser aus als Eyjolfur Gudmundsson, der als Wirtschaftsfachmann bei CCP war, dem Entwickler von Eve Online. EVE Online ist bekannt dafür, dass es reales Geld und spielinterne Finanzen mischt. Gudmundsson fasst die Auswirkungen von Schwarzmärkten auf MMOs wie folgt zusammen: Ein MMO-Schwarzmarkt, der auf echtem Geld basiert, stellt nicht unbedingt eine finanzielle Bedrohung für ein Spiel dar. Einige Sicherheitsmaßnahmen sind jedoch erforderlich, um Nachfrage und Angebot zu regulieren, die Inflation anzupassen und eine Manipulation des Marktes zu verhindern. Diese Ideen mögen komplex klingen, aber sie sind in jedes MMO integriert, dass du je gespielt hast.

Der Kampf gegen Schwarzmärkte

Kein MMO kann vollkommen frei von Schwarzmarkttransaktionen sein. Selbst wenn es keine praktischen Mittel für Spieler gibt, spielinterne Ressourcen zu tauschen, können noch immer die Spielkonten verkauft werden. Selbst Browserspiele stellen dabei keine Ausnahme dar.

Die Spielercommunity steht der Situation definitiv nicht gleichgültig gegenüber. Viele Spieler sind skrupellosen Goldfarmern zum Opfer gefallen, was die feindselige Einstellung gegenüber solchen Spielern erklärt. Andere wurden von einem wirtschaftlichen Abschwung erwischt, den sie diesen Farmern in die Schuhe schieben.

Manchmal wird die Stimmung während einer Globalen Kampagne sehr feindselig, um Farmer abzuschrecken oder ihre Arbeit zu sabotieren. Ein aktuelles Beispiel ist ein Fall in RuneScape, bei dem einige Spieler sich sehr aggressiv gegenüber einem Spieler aus Venezuela verhielten. Kurzer Hinweis zum Zusammenhang: Spieler aus Venezuela versuchten in diesem Zeitraum, sich mit RuneScape Geld während der enormen Hyperinflation in ihrem Land etwa dazu zu verdienen.

Es ist nicht immer einfach, Lösungen für diese Art von Situation zu finden. Es ist nicht leicht, die Aktionen und Interaktionen aller Spieler im Auge zu behalten. Außerdem kann man (oder sollte man) andere Spieler nicht ständig darum bitten, verdächtige Accounts zu melden. Dazu müsste man nicht nur jede Meldung prüfen, sondern auch sicher gehen können, dass es sich dabei um ehrliche, gutgläubige Berichte handelt.

In den meisten Situationen besteht die einzige Lösung darin, den Schwarzmarkt ins Spiel zu integrieren, zum Beispiel mit einem System, wie es für Albion Online genutzt wird. In diesem Spiel gibt es seltene Gegenstände, die attraktiv für Schwarzmarkthändler sein könnten, nicht automatisch durch den Sieg über Monster oder Dungeons. Statt dessen muss man einen NPC aufsuchen, der für die Vergabe dieser wertvollen Ressourcen verantwortlich ist. Bis heute gibt es keine zuverlässige Methode, eine bestimmte Ressource zu farmen. Die von Albion Online entwickelte Lösung ist clever und scheint bisher gut zu funktionieren, ist jedoch nicht für jedes MMO praktikabel.

Schlussendlich sind die parasitären Märkte in MMOs ein sehr komplexe Problem, das auch die Entwickler nicht immer lösen können. Selbst für Studios wie Blizzard, die eine Menge Ressourcen und Erfahrung mit dieser Art von Situation haben, sind die Schwarzmärkte noch immer ein großes Problem.

Entwickler können sich diesem Problem nicht allein stellen. Auch Spieler sollten mithelfen, indem sie nicht der Versuchung nach günstigen Gegenständen und Gold nachgeben. Doch selbst unter diesen Bedingungen hätte diese rechtswidrige Industrie noch immer eine rosige Zukunft... Vielleicht besteht die einzige praktische Lösung darin, sie zu einem normalen Bestandteil des MMO-Spiels zu machen und sie vollständig zu regulieren. Doch andererseits behaupten manche, dass Schwarzmärkte dem Spiel keinen wirklichen Schaden antun und wir sie einfach in Ruhe lassen sollten...

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